Mercedes-Benz

Ist es nun 1886 oder 1926, dass wir den Ursprung der heutigen Marke Mercedes-Benz einordnen können? Ersteres würde Mercedes zur ältesten noch aktiven Automarke der Welt machen, streng genommen stimmt jedoch letzteres. In diesem Jahr fusionierten nämlich die beiden Firmen der einstigen Erfinder Gottlieb Daimler und Carl Benz zur Daimler-Benz AG. Mercedes, das ist der Vorname der Tochter Emil Jellineks. Der wiederum war einer der ersten Händler der Fahrzeuge Gottlieb Daimlers. Als Widmung benannte er zunächst sich selbst als Pseudonym und später Rennwagen, wie den Daimler Phönix nach der kleinen Mercedes. Nach großen Erfolgen sprach kaum noch jemand vom Daimler-Wagen, sondern schlicht von Mercedes – ein Markenname war geboren. Nachdem zur besagten Fusion auch Carl-Benz zum Unternehmen stieß, der seine Fahrzeuge bis Dato erfolgreich als Benz-Motorwagen verkaufte, überließ man ihm die Ehre, als zweites im Markennamen “Mercedes-Benz” zu stehen. Als Markenlogo entschied man sich bereits damals für den noch heute bekannten Mercedesstern, damals jedoch noch ohne umlaufenden Rand. Die drei voneinander getrennten Segmente stehen für die Verwendung von Daimler-Benz-Motoren in Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen – “zu Lande, zu Wasser und in der Luft”.

Die Daimler-Benz-AG firmierte zwischen 1998 und 2007 als DaimlerChrysler. Grund dafür war eine Fusion mit dem US-Konzern Chrysler, welche vor betriebswirtschaftlichen Hintergründen noch heute als umstritten gilt. Seitdem trägt der Konzern den Namen Daimler AG.

Als Meilenstein der frühen Markengeschichte gilt der Mercedes 40 PS Simplex von 1902, der als erstes Automobil mit noch heute üblichen Bedienelementen gilt (Lenkrad sowie Pedale für Kupplung, Bremse und Gas). Über die folgenden Jahrzehnte erlangte die Marke einen besonderen Ruf für die Qualität und auch die Innovationen ihrer Fahrzeuge. Dies ist zu großen Teilen auch Verdienst berühmter Ingenieure wie Wilhelm Maybach, Ferdinand Porsche, Hans Nibel, Béla Barényi oder Rudolf Uhlenhaut. Vieles, was an modernen PKW selbstverständlich erscheint, begann bei Mercedes-Benz: einzeln lenkbare Räder mit Parallelogramführung, erste Einzelradaufhängungen, der besagte Simplex, erster Einsatz von Dieselmotoren in Traktoren und PKW, Fahrgestzellen nebst Knautschzonen, die Sicherheitslenksäule, das Keilzapfentürschloss, der Crashtest, Gurtstraffer, die ersten PKW mit Turbodiesel, der Airbag, ABS, ASR und ESP, die elektronische Einparkhilfe, proaktive Innenraumschutzsysteme, die Nutzung von Lithium-Ionen-Akkus im Hybrid-PKW und so weiter.
Seit Jahrzehnten erprobt Mercedes-Benz zudem den Einsatz verschiedener alternativer Antriebskonzepte. Trotz zahlreicher seriennaher Fahrzeuge mit Elektro-, Wasserstoff-, oder Hybridantrieb, die zum Teil auch an Kunden ausgeliefert worden sind, wurde erst 2009 mit dem S400 Hybrid ein Hybridauto und seit 2019 mit dem Mercedes EQC ein reines Elektroauto offiziell zum Kauf angeboten.

Seit 1926 besteht die bis heute gültige Benennung der Baureihen durch eine Zahl und einen vorgestellten Buchstaben, meist W für Wagen. So entsteht die bei Kennern übliche Sprechweise, bei der etwa von einem W124 die Rede ist, was oftmals noch weiter zum 124er verkürzt wird. Neben den üblichen W-Baureihen gibt es zudem C (Coupés), A (Cabrios), S (Stationswagen, also Kombis), V (Modelle mit verlängertem Radstand), R (Roadster) sowie X (Crossover & SUVs). Kombis werden erst seit dem S123 für den PKW-Einsatz in Großserie angeboten. Sie heißen seitdem T-Modell (T für Transport und Touristik).

Als archetypischer Mercedes und Vorreiter in Sachen innovation gilt die S-Klasse, die seit dem Debut der Baureihe W116 1972 auch namentlich offiziell so geführt würd. S (Sonderklasse), SL (Sport Leicht) und G (Geländewagen) standen bis 1993 als einzige namentliche Baureihenbezeichnungen. Bis dahin wurden Mercedes ansonsten nur durch eine Hubraum- oder Leistungsangabe, sowie das Kraftstoffsystem benannt (z.B. 230, 280 E, 200 D, 300 TD, usw.). Mit der Erscheinung der C-Klasse W202 erhielt auch die mit dem Vorgänger W201 eingeführte Mittelklasse einen eigenen Namen. Fortan wurde auch bei der E-Klasse die Nomenklatur in den Vordergrund gerückt. Aus einem 250 D wurde ein E 250 Diesel. Später folgten weitere Baureihen, wie die A- oder M-Klasse. Letztere trugen nach einem Streit mit BMW und deren M GmbH übrigens ein “ML” im Schriftzug (also ML 320 statt M 320).
Als Mercedes-Werkstuner gilt seit 1993 die Firma AMG, benannt nach den Firmengründern Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher, sowie Aufrechts Heimatort Großaspach bei Stuttgart. Auch wenn AMG bereits seit Anfang der 70er Jahre mit der Leistungssteigerung von Mercedes-PKW beschäftigt ist, wurde der Tuner erst 1993 mit dem C 36 AMG (W202) zum offiziellen Portfolio von Mercedes-Benz hinzugefügt und erst 1999 vom damaligen Daimler-Chrysler-Konzern übernommen.

Das aktuelle Modellangebot gestaltet sich wie folgt:

Kompaktklasse:
A-Klasse (Fünftürer und Limousine), B-Klasse, CLA, GLA, GLB
Mittelklasse:
C-Klasse (Limousine, T-Modell, Coupé, Cabrio), GLC (Fünftürer und Fünftürer mit Schrägheck), EQC
Oberklasse:
E-Klasse (Limousine, T-Modell, Coupé, Cabrio), GLE (Fünftürer und Fünftürer mit Schrägheck), CLS
Luxusklasse:
S-Klasse (Limousine, Limousine lang, Maybach, Pullmann, Coupé, Cabrio), GLS
Sportwagen:
SL, AMG-GT (Coupé und Roadster), AMG Project-One
Geländewagen:
G-Klasse

Neben der bekannten PKW-Modelle fertigt Mercedes-Benz auch Nutzfahrzeuge wie Sprinter und Vario, zudem Busse und LKW aller Gewichts- und Leistungsklassen, sowie den Unimog (Universal Motorgerät) eine hochgeländegängige Zugmaschine für Sondereinsätze.

Parallel zur Herstellung von Serienfahrzeugen beteiligt sich Mercedes auch im Motorsport in vielen Klassen. Berühmt sind hier die klassischen Silberpfeile der Formel 1 zu nennen, die zunächst bis zu einem tragischen Unfall 1955 in LeMans im Einsatz waren. Nach Jahrzehnten im Rallye- und Tourenwagensport stand zur Saison 1998 mit dem McLaren-Mercedes MP4/12 erstmals wieder ein silberfarbener Rennwagen von Mercedes – zumindest was den Motor angeht – in der Formel 1. Ab 2000 fuhr die Marke dann als vollwertiges Werksteam.

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