Ford

Als wohl herausragendste Besonderheit in der Geschichte der Marke Ford gilt vermutlich die Einführung der Fließbandproduktion im Automobilbau. So gelang es Firmengründer Henry Ford schon sechs Jahre nach Gründung seiner Ford Motor Company im Jahre 1902 das massengefertigte Model T auf den Markt zu bringen.
Das stimmt zwar und steht so vermutlich auch in jedem Lehrbuch, jedoch war es ein viel geschickterer und zugleich wichtigerer Schachzug, als er 1914 kurzerhand die Löhne seiner Angestellten verdoppelte. So konnte er seine Vision umsetzen, dass sich auch jeder Beschäftigte ein Auto aus eigener Produktion leisten kann. Henry Ford, der nicht unbedingt für seine humanistische Denkweise bekannt war, sorgte für Wohlstand – jedoch nicht ganz uneigennützig. Die Aktion bescherte ihm eine enorm wachsende Abnehmerzahl für Model Ts, die mit jedem einzelnen Fahrzeug kräftig die Werbetrommel rührte. Das schneeballartige Resultat: die Leute rissen sich zunächst um Arbeitsplätze bei Ford und einige Zeit später wiederum nach eigenen Autos.

So lässt sich Ford als fester Bestandteil der “Big Three” – gemeinsam mit General Motors und Chrysler – am ehesten als Self-Made-Firma betrachten. Während GM schon zu Beginn als staatlich gefördertes Automobilunternehmen als Generalist nach Holding-Prinzip aufstellte und Walter P. Chrysler sich erst nach der Kündigung bei GM selbstständig machte, begann Ford sich nach klassisch Amerikanischer Art vom Tüftler im Gartenschuppen zum Millionär aufzuschwingen.
Seine erste Firma, die Henry Ford Company existierte von 1901 an nur ein knappes Jahr, bis Ford mangels Erfolg mit seinen Namensrechten einen Neustart in Form der noch heute existierenden Ford Motor Company wagte. Die zwischen 1901 und 1902 entstandenen Fahrzeuge trugen übrigens keinen den Namen Cadillac – nach Antoine de la Mothe Cadillac, dem Gründer der Stadt Detroit. Die Gründung der FoMoCo gelang im Anschluss übrigens zum Teil dank großer Investitionen der Gebrüder Dodge.
1908 folgte das Debut des Model T, welches über Jahrzehnte das meistverkaufte Auto der Welt war und zudem durch Robustheit und Einfachheit bestach, die sich wiederum in den Produktionskosten niederschlug, die Ford letztlich als Wachstumsmöglichkeit sah und im Zuge dessen die Personalführung seiner Produktion durch die Einführung der Fünftage-Woche und eigener Gewerkschaften optimierte. Seit dem ließen sich zwei Kurven vergleichen: die der immer stärker wachsenden Absätze und die der immer weiter sinkenden Produktionskosten. Aus dieser Zeit stammt auch das berühmte Ford-Zitat: “Sie können das Model T in jeder Farbe haben, solange sie schwarz ist.”

Erst 1927 erschien mit dem Model A der konzeptionelle Nachfolger der erfolgreichen Tin-Lizzie. Nur fünf Jahre später und der Ford V8 war geboren – der erste erschwingliche Wagen mit leistungsstarkem Motor. Nachdem schon 1921 die Marke Lincoln und ihre Luxusauto-Produktion übernommen wurde, kaufte Ford 1939 auch Mercury, um unter diesem Namen mittelpreisige Fahrzeuge anzubieten. So zog man mit der Konkurrenz gleich, die unter verschiedenen Marken ebenfalls gestaffelt unterschiedliche Preisniveaus anbot (GM: Chevrolet, Oldsmobile, Buick; Chrysler: Plymouth, Dodge, Chrysler, DeSoto, Imperial).

Von 1919 bis zu dessen Tod 1943 stand Fords Sohn Edsel (nach dem später ein eigenes, eher wenig erfolgreiches Modell benannt wurde) in der Position des Firmenpräsidenten, der unter Anderem mit dem Model A wichtige Neuerungen brachte, die sein Vater zunächst skeptisch betrachtete. Skeptisch betrachtet wird Ford bis heute wiederum für seine Stellung im Nationalsozialismus, sowie im Zweiten Weltkrieg. Die 1925 gegründete deutsche Ford-Abteilung in Köln stellte im Krieg unter Anderem durch Zwangsarbeiter Fahrzeuge für die Wehrmacht her.
Henry Ford selbst wird nachgesagt, in den 40er-Jahren zunehmend an mentaler Stabilität abgenommen zu haben, speziell als er nach dem frühen Tod seines Sohnes die Firma noch bis 1945 allein weiter leitete. Dann übernahm Edsels Sohn Henry Ford II., genannt Hank the Deuce. Er heuerte 1946 Lee Iacocca an (Ford-Präsident von 1970 bis 1977), der die in den USA so beliebte Autofinzanzierung gebräuchlich machte, die Marken Mercury und Lincoln entstaubte, sowie als Vater der Modelle Mustang, Pinto, Escort und Fiesta gilt. Aus persönlichen Gründen wurde Iacocca 1977 von Henry Ford II. entlassen.
Noch heute sitzt mit dessen Neffen William Clay Ford ein direkter Nachkomme Henry Fords an der Spitze des Ford-Aufsichtsrates.

Die Ford Motor Company, wie wir sie heute kennen operiert mit Ausnahme einer Handvoll Länder auf der ganzen Welt. Neben den recht umfangreichen Märkten in Australien und Südamerika stehen besonders die Divisionen Nordamerikas und Deutschlands im Vordergrund. Erstere stellt in den USA in Form des Fullsize-Pickup-Trucks F150 seit Jahrzehnten das meistverkaufte Fahrzeug überhaupt und hat 2019 beschlossen, nach dem immer weiter wachsenden Interesse nach SUVs und Crossovers künftig keine herkömmlichen PKW mehr anzubieten. So umfasst das dortige Modellportfolio die Pickups Ranger, F150, F250, F350 und Super Duty (geordnet nach Gewichtsklassen), sowie die Modelle EcoSport, Escape (bei uns Kuga), Mustang Mach-E (ein Elektro-Crossover), Edge, Flex, Explorer und Expedition. Letzterer nutzt traditionell einen Leiterrahmen sowie den Technikbaukasten der jeweiligen F150-Modelle. Als Ausnahme gilt der auch bei uns verfügbare Mustang in klassischem Muscle-Car-Format, sowie die bereits bestehenden Modelle Fusion (bei uns Mondeo) und Fiesta ST (vorherige Version). Mit der E-Series, sowie F650 und F750 stellt Ford auch Nutzfahrzeuge bis zur 7,5-Tonnen-Klasse her, während Transit und Transit Connect den Bereich der Kleintransporter abdecken. In der Türkei wird zudem mit dem F-Max ein schwerer Lastwagen produziert, der künftig auch auf den europäischen Markt kommen soll.
Internationales Topmodell ist der Supersportwagen Ford GT.

In Deutschland umfasst das Produktportfolio der Marke Ford folgende Modelle:

Kleinwagen und kleine SUV/Crossover:
– Fiesta
– EcoSport
– Puma

Kompaktwagen und kompakte SUV/Crossover:
– Focus (Fünftürer und Kombi)
– Kuga

Mittelklassewagen und Mittelklasse-SUV/Crossover:
– Mondeo
– Edge
– Mustang Mach-E

Vans und Kleintransporter:
– S-Max
– Galaxy
– Transit Courier/Tourneo Courier
– Transit Connect/Tourneo Connect
– Transit/Tourneo

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