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Normalo-Autoradio: Über das Wechseln und Anschließen von Radios

Published On 18. November 2016 | By autonormalverbraucher | Die Grünschnabel Kategorie, Schrauben und Polieren

Wer nicht gerade einen exotischen Sonntagssportwagen fährt, bei dem der Motorsound allein zum Glück reicht, hat in der Regel ein Radio im Auto. Also eigentlich jeder.

Dabei ist bemerkenswert, dass die Fähigkeiten der gängigen Autoradios in den letzten Jahren große Sprünge gemacht haben. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir – auf welchem Weg auch immer – unsere Musik in großen Mengen frei abrufbar dabeihaben, ohne mit CDs oder gar Musikkassetten hantieren zu müssen. Mittlerweile ist es auch üblich, dank Bluetooth und volumenstarken Handyverträgen, Musik aus dem Netz zu streamen, während man unterwegs ist. Damit können wir einsteigen und völlig frei entscheiden, was gerade laufen soll. Bluetooth ermöglicht dabei auch ganz selbstverständlich eine Verbindung, die zum Telefonieren genutzt werden kann. Lautsprecher zum Hören sind ja vorhanden, also fehlt von technischer Seite nur noch ein kleines Mikrofon, um die eigene Stimme aufzunehmen.

All dies ist in vielen Neuwagen schon serienmäßig. Meist genügt hier das einfachste Werksradio, und die Medienfunktionen sind an Bord. Das liegt auch daran, dass die Technik, die für Bluetooth, USB und so weiter benötigt wird mit der Zeit immer billiger geworden ist wie vieles, was sich von einem High-Tech-Dasein ins alltägliche Leben überträgt.

Nun fahren aber die meisten Autonormalverbraucher keinen Neuwagen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entwicklungskurve all dieser Annehmlichkeiten zwar sehr steil ist, aber erst in den letzten paar Jahren so richtig begonnen hat. So kommt es, dass selbst hochwertige Gebrauchtwagen teils ganz anachronistisch mit Kassettenradios daherkommen. Was tun?

Die allererste Möglichkeit sieht so aus:

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Gesehen? Gut. Kann man gleich wieder vergessen. Diese Kassetten haben kein Tonband in sich, sondern einen eigenen Tonkopf, der den Klang aus der Kopfhörerbuchse des Handys auf den Tonkopf im Kassettenradio überträgt. Das funktioniert zwar und wird durch Reinigung und regelmäßigen Betrieb sogar klanglich langsam ein bisschen besser, klingt aber immer noch äußerst bescheiden. Ferner birgt es das Manko, dass das Handy zum Abspielen bedient werden muss. Das wollen wir ja nicht. Trotzdem ist dieses Setup im Autonormalverbraucher-5er im Augenblick noch das einzig erträgliche. Wie es weiter geht, dazu komme ich später. In meiner E-Klasse sieht das ganze zwar ähnlich aus, ist aber durch eine Alternative deutlich erträglicher geworden. Als der Wagen im Jahr 2000 das Werk in Sindelfingen verließ, war in ihm das Audio 10 CC montiert. Das Serienradio. Klanglich ziemlich prima und mit 10 Lautsprechern ordentlichst bestückt. So nahm auch ich ihn 2013 in Empfang. Schnell flog das Gerät raus, und wanderte nebst Codekarte fein eingepackt in den Keller. Es folgte das Audio 10 CD, also das gleiche Gerät, nur eben mit CD-Laufwerk, statt Kassette.

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Damit könnte ich ja Rohlinge nach Lust und Laune mit (nicht kopiergeschützter) Musik bespielen, dachte ich zumindest. Es erwies sich dann schnell als ziemlicher Snob. Nicht nur, weil es auch nach einem Dutzend Reinigungs-CDs noch immer nichts Selbstgebranntes schluckte, sondern auch ausschließlich Originale wiedergab (Meine CD-Sammlung wuchs in dieser Zeit rapide an), und auch aufgrund der werkseitig vorgesehenen optischen (OPTISCHEN!) Schnittstelle für Zusatzgeräte. Bei Mercedes bedeutete das damals: CD-Wechsler. Also immerhin sechsfach CD-Genuss. Diesen Stecker für andere AUX-Quellen zu nutzen… Eine Sisyphusaufgabe. Für einen hohen dreistelligen Betrag gibt es den sogenannten „Mercedes-Player 40“, kurz MP-40 (ja, wie die Maschinenpistole…). Das Ding ist prinzipiell ein simpler SD- und CF-Kartenleser, mit eingebautem MP3-Player und besagter optischer Schnittstelle. Es simuliert einen Wechsler und bietet eine Menge Platz. Trotzdem sauteuer und irgendwie ein kampfloses Eingeständnis an das Stuttgarter Over-Engineering. Nun bin ich vor einiger Zeit günstig an ein Audio 30 APS gekommen. Das ist im W210 das Top-Radio unterhalb des Comands.

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Made in Germany von Becker bietet es fulminanten Klang, hochwertigste Machart, ein vollwertiges Einbaunavi (!) und – man kann’s ja probieren – die Möglichkeit, gebrannte CDs abzuspielen. Ich konnte meinen Wagen also um eine weitere, einst teure Sonderausstattung bereichern und zudem wenigstens den Luxus freierer Musikwahl genießen. Das genügt mir für’s erste. Ein nichtoriginales Nachrüstgerat kommt für mich im W210 nicht in Frage. Es gibt nichts, was zur Innenraumoptik passt und vor allem auch nichts, was die Bedienung über das Kombiinstrument weiterhin zulässt. Ich möchte keinesfalls auf etwas verzichten, an das ich mich im Auto bereits gewöhnt habe.

Im BMW sieht das anders aus. Er verfügt in der Armaturentafel über einen Fahrzeugspezifischen Bauraum. Das heißt: Sein Autoradio hat keine Normgröße, sondern ist an den Fahrzeuginnenraum angepasst. Es gibt ein hübsches breites Bedienfeld, und ein klappbares Zierteil, hinter dem sich ein Kassetten- (wie bei mir) oder CD-Laufwerk befindet. Lange Zeit gab es für dieses Format keine Nachrüstgeräte. Man musste mit einem tumben Rahmen vorlieb nehmen, der den Einbau eines DIN-Radios ermöglichte. Diese Optik erfüllt das Fahrerauge mit Grausen. Nachdem aber mittlerweile fast jeder Hersteller solche Einbauradios verbaut, musste auch die Nachrüst-Industrie aufrüsten. Auftritt: Spezifische Zubehörradios. Die sehen aus, wie ein Werksnavi, das genau zum Auto passt, beinhalten aber ähnlich einem Smartphone, allerlei Finessen basierend auf einem android- oder direkt linuxbetriebenen Rechner. Diese Geräte sind wahre Alleskönner. Sie haben internen Speicher für Musik, meist mehrere USB- und AUX Schnittstellen, haben Videoanschlüsse, z.B. für eine Rückfahrkamera, oder Bildschirme im Fond und können obendrein über Bluetooth streamen und Telefonieren. Dieses Gerät von der ominösen Firma Pumpkin ist ein gutes Beispiel.

http://www.amazon.de/PUMPKIN-Moniceiver-Unterstützt-Navigation-Heckkamera/dp/B00URE06XU

Mit anderen Worten: Ein Gerät, und der 20 Jahre alte 5er ist unterhaltungstechnisch auf dem allerneuesten Stand. Weltklasse! Friss das, MP-40! Ich werde wohl relativ bald ein solches Gerät in meinen 520i einbauen.

Wer einen Wagen mit Autoradio in Standardgröße fährt, und keine so vertrackte Elektronikumgebung, wie in einem gemopften W210 besitzt, hat es noch leichter. Dieses Standardformat ist DIN-genormt. Darum spricht man hier auch von „1-DIN“, sprich „EinfachDIN“. Es gibt auch „DoppelDIN“, aber dazu komme ich später. Man findet sie in vielem, was vor etwa 2005 gebaut wurde, sprich: Bis zum Golf 4, Astra G, C-Klasse W202, usw. und auch heute noch in Ausnahmefällen, wie dem Suzuki Jimny. Hier lässt sich einfach ein Zubehörradio von Pioneer, Sony, Clarion und wiesiealleheißen einbauen. Das geht ganz fix, und bietet schon für 100 Euro zufriedenstellende Ergebnisse, die bis auf’s Navigieren so ziemlich alles drauf haben. Einziger Nachteil bei ihnen ist die Optik. Seit Jahrzehnten glauben die Hersteller, es sei attraktiv, möglichst bunte und glänzende Geräte mit Winzknöpfen abzuliefern, die meist ungut mit dem sonstigen Innenraum harmonieren. Das ist natürlich Geschmackssache und etwas, was man gerne in Kauf nimmt, wenn man dafür so viel Funktionalität erntet. Ich selbst war sehr zufrieden mit meinem Pioneer Radio im Golf 3 Cabrio. Natürlich habe ich aber auch darauf geachtet, dass die grüne Tastenbeleuchtung der des Wagens entsprach. Einige Zubehörradios fallen allerdings negativ durch die schlechte Empfangsqualität von Radiosendern auf. Hier lohnt es sich, genauer die Onlinebewertungen zu studieren, bzw. noch einen geerdeten Antennenverstärker dazuzustecken.

Es wird also klar: Heute braucht sich niemand mehr auf’s UKW und Kassettenhören beschränken. Falls man aus klanglichen Gründen oder der Originalität wegen (z.B. im Youngtimer) trotzdem bei seinem Werksradio bleiben möchte, gibt’s sogar dafür noch Optionen. Doch dazu komme ich am Schluss.

Für die meisten dürfte die allererste wichtige Frage lauten:

Wie kann ich mein Radio eigentlich wechseln?

Der Ausbau:

Keine Panik: Ich habe noch kein Auto erlebt, bei dem das sonderlich schwer war. So ein Originalradio, ob DIN oder nicht, ist meistens relativ gut vor Diebstahl geschützt. Deswegen lautet Schritt 1: Googlen, wie’s geht.  Meistens werdet ihr auf diese beiden Möglichkeiten stoßen:

  1. Ausziehwerkzeug. Bei Spezialwerkzeug jetzt bitte nicht zusammenzucken! Diese kleinen Blechhaken sind beim jeweiligen Vertragshändler für etwas Münzgeld erhältlich. Man führt sie an der richtigen Stelle ein, z.B. in Aussparungen im Tastenfeld oder gezielt seitlich im Spalt, dann macht’s „Klick“ und man kann festen Griffs das Radio einfach rausziehen.
  2. Außenblende abbauen und Radio freilegen. Diese Variante ist etwas umständlicher, kommt aber ohne Ausziehwerkzeug aus. Meist sitzt ein solches Radio in einem Kunststoffrahmen, der geklippst ist. Darunter werden dann Radioschrauben sichtbar, oder man kann eine Haltefeder seitlich am Gerät zurückdrücken.

Der Mercedes W210 nutzt z.B. die erste Möglichkeit. Das sieht dann ganz einfach so aus:

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Sollte das Auto eine eigene Art der Befestigung haben (z.B. BMW E46, E39, E38 usw.), werdet ihr auch diese im Internet schnell finden.

Spätestens jetzt: Zündung ausschalten, abwarten bis alle Anzeigen im Kombiinstrument (z.B. durch das Türöffnen) erloschen sind, oder besser noch die Batterie abklemmen. Danach gilt stets: Schön gerade rausziehen. Aber Vorsicht: Die angeschlossenen Kabel sind meist nicht allzu lang, das Antennenkabel oft recht empfindlich. Letzteres ist ganz einfach angesteckt. Ansonsten finden sich normalerweise dann zwei große dicke Plastikstecker mit vielen Kabeln drin. Die haben eine Halteklammer, die zum Abziehen gedrückt werden muss. Zack und Ab! Nun habt ihr euer Radio in der Hand. Das Gehäuse ist aus Blech und hat durchaus seine Ecken. Passt also auf, dass ihr damit keine Macken verursacht.

Im Bild: Die Radiorückseite des E39

Zeit, sich die Stecker ein Mal genauer zu betrachten. Das Antennenkabel hat einen runden Blechring mit einem Pin in der Mitte als Stecker. Am Pin hängt der dünne „Empfangsdraht“, dann kommt eine Abschirmung gegen Störgeräusche und die am Blechring angeschlossene Erdung. Fertig. Im restlichen Kabelwirrwarr verbergen sich die Kabel für die Lautsprecher. Ein Lautsprecher sitzt immer in einem Stromkreislauf, hat also eine Hin- und eine Rücklaufleitung, Plus und Minus. Diese hängen meistens direkt am Radio und sind entweder als Doppelpaar, oder Vierfachpaar vorhanden. Das sind in so einem Fall also schon mal acht Kabel. Bleibt mehr Überblick für den Rest. Da wäre „das Stromkabel“, meistens in Rot und „das Erdungskabel“, oft schwarz oder Braun. Plus und Minus. Klar oder? Nicht ganz: Es gibt einen Dauerplus und einen Zündplus. Der Dauerplus gestattet dem Radio permanente Stromaufnahme. Hier fließt aber gerade mal so viel Strom, dass eingespeicherte Sender und Einstellungen gespeichert bleiben. Der Zündplus wird geschaltet, wenn der Fahrer die Zündung einschaltet. Klar: Beim Motorstart sollte auch das Radio angehen, beim Ausschalten wieder aus. Aufpassen: Bei Japanischen Zubehörradios sind die Pins von Dauer- und Zündplus oft vertauscht, sodass das Radio nur manuell ein- und ausschaltbar ist und ständig seine Speicherungen vergisst. Sollte das der Fall sein: Einfach Leitungen tauschen. Oft wird mit dem Radio schon ein kleines Kabelbäumchen geliefert, in dem die „Plüsse“ durch Stecker tauschbar sind. Logisch.

Dann gibt es noch verschiedene Signalkabel. Zum Beispiel für das Tachosignal. So kann das Radio die Lautstärke bei schneller Fahrt erhöhen. Seit einiger Zeit gibt es auch ein Rückwärtsgang Signal. Es sorgt dafür, dass die Lautstärke abgesenkt wird, und die Lautsprecher das Piepen der Einparkhilfe wiedergeben. Zu guter Letzt gibt es noch das „Wake-Up“ Signal. Es aktiviert beim Radioeinschalten eventuell vorhandene Zusatzgeräte mit eigener Stromversorgung, wie eine elektrisch ausfahrende Antenne bei älteren Baujahren, einen CD-Wechsler, oder auch einen zusätzlichen Verstärker.

Mit diesen Anschlüssen funktionieren meiner Erfahrung nach fast alle Arten von Autoradios. Die meisten davon mit genormten Steckern, sodass ein Radioumbau in aller Regel „Plug and Play“ funktioniert. Wer also einfach nur den Tausch eines DIN-Radios vornehmen möchte, hat somit freie Bahn. So geht der

Einbau:

Wer sich für ein neues Radio entschieden hat, kann gleich loslegen. Oftmals liegt dem neuen Gerät ein Einbaurahmen bei. Dieser ist aus einfachem Blech und wird durch Schrauben oder Klemmen im Radioschacht fixiert. Rein damit! Entweder, der Rahmen klippst sich von selbst fest, oder nicht. Wenn nicht: Sucht euch einfach zwei-drei der ausgestanzten Löcher, die komplett mit Kunststoff im Radioschacht hinterlegt sind. Man braucht da also „Fleisch“ zum einschrauben. Dort dreht ihr dann kurzentschlossen zwei kurze Blechschrauben ein, und fertig. Die Köpfe sollten nach Möglichkeit versenkt werden.

Zeit die Kabel anzuschließen. Das ist selbsterklärend. Vorher prüfen, wo am Radio, bzw. am Auto Dauer- und Zündplus anliegen, und ggf. im Kabelbaum tauschen. Falls die Infos nicht zu finden ist, einfach so anschließen. Das Radio erst mal nicht einschieben, sondern zunächst mal die Zündung einschalten und die Funktion des Geräts überprüfen. Dann die Zündung aus- und wieder einschalten. Geht das Radio nicht aus, bzw. vergisst es seine Einstellungen gleich wieder, wisst ihr dass die „Plüsse“ vertauscht werden müssen.

Beim Einschieben des Gerätes die Kabel vorsichtig mit der Hand vorschieben. Meistens ist hinten im Radioschacht einiges an Nischenplatz, wo die dicken Kabel sich problemlos hineinfalten können. Je mehr Kabel aber verbaut sind, desto schwieriger ist das. Ein bisschen Widerstand beim Einschieben ist völlig normal. Mit Gewalt solltet ihr aber nicht drücken. Landet das Zubehörradio in seinem Einbaurahmen, bzw. ein originales Herstellergerät im Einbauschacht, so rastet es hörbar ein. Gelegentlich wird dann noch ein Plastikrahmen aufgesteckt und fertig.

Im Prinzip funktioniert das mit jedem Radio so, in der Realität leider manchmal auch nicht. Darum hier zwei Einzelbeispiele:

Radio Ein- und Ausbau im BMW E39:

Als Werkzeug braucht ihr hier ein kleines Taschenmesser und einen dünnen, langen Schlitzschraubendreher.

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Zuerst mit dem Messer vorsichtig den Lautstärkedrehknopf an der Radiofront abhebeln. Ihr blickt dann auf den eigentlichen Drehknopf.

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Darüber befindet sich ein Loch in der Oberfläche, durch das man auf eine Schlitzschraube trifft. Diese wird um 90 Grad gedreht. Gleichzeitig greift man in den Kassettenschlitz und zieht einmal kräftig. Raus ist es.

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Wer nun ein simples Einfach-DIN nachrüsten möchte, benötigt sowohl einen speziellen Einbaurahmen, sowie eine Rahmenblende, die das viel kleinere Gerät optisch im Armaturenträger einschließt. Diese Lösung ist stilistisch äußerst fragwürdig, darum gehe ich gar nicht erst darauf ein.

Beim Aufrüsten auf ein besseres Originalradio wird das Obige einfach umgekehrt wieder eingesetzt. So habe ich es gemacht. Ich habe mein RDS Reverse gegen ein BMW Business getauscht. Dieses verfügt über einen doppelten Radiotuner, der sozusagen im Hintergrund mithört, und bei Störungen automatisch auf eine andere Frequenz des gleichen Senders wechselt. Außerdem war der Kassettenteil meines alten Radios defekt. Ich benutze ihn zwar kaum, aber was im Auto verbaut ist, muss auch gefälligst funktionieren.

Demnächst werde ich diesen Artikel aber um die Einbauanleitung auf eines der obengenannten Android-Einbauradios ergänzen. Hier wird dann auch zu lesen sein, wie man zusätzliche Leitungen, z.B. für ein Freisprechmikrofon verlegt.

Radio Ein- und Ausbau im Mercedes W210 (Mopf)

Dieses System (übrigens genau wie bei VW DIN-Radios) benötigt Ausziehwerkzeuge, wie oben schon abgebildet. Die werden mit den Kerben nach außen in die Schlitze unten im Radio gesteckt. Bei einigen Geräten, je nach Zulieferfirma (Alpine, Becker, Panasonic) muss vorher unten links eine Taste abgehebelt werden, bzw. ein Teil des Bedienfeldes ausgeklippst werden, damit der eine Schlitz freiliegt. Wieder ist das Ausrasten hörbar und man kann nun an den Werkzeugen das Radio rausziehen. Ganz schlaue können die spezifischen Werkzeuge auch aus verschiedenen Quellen in Originalgröße „kopieren“, und auf ein festes Material übertragen und dann ausschneiden. Raus ist das Radio, die Stecker werden einfach abgenommen.

Der Einbau erfolgt logischerweise genau umgekehrt, nur das vorher an den Seiten des Radios per Hand die Ausziehwerkzeuge wieder ausgerastet und entfernt werden müssen.

Bei mir sah das Endergebnis mit fertig verbautem Audio 30 APS so aus:

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Möchte man einen gemopften W210 aufrüsten, gelingt das nur innerhalb des originalen Gerätespektrums einfach. Hier muss nichts weiter beachtet werden. Wer aber auf Doppel-DIN, bzw. das Comandsystem nachrüsten möchte, muss über den Umweg durch den Aschenbecher die komplette Edelholzverkleidung abschrauben und abnehmen. Dann muss ein Trennsteg zwischen altem Radio und Brillenfach ausgesägt werden. Dann kommt ggf. noch ein extra Kabelbäumchen mit Zusatzgerät dazu, welches die Tastenbefehle vom Lenkrad überträgt. Bei Zubehörradios, geht dabei aber die Anzeige von Sender, Titel und Navi im Kombiinstrument verloren. Nun muss der neue Einbaurahmen justiert werden. Schließlich braucht ihr noch eine passende neue Frontblende. Das erweist sich als schwierig und teuer. Es muss nicht nur die Holzfarbe passen, sondern auch noch die richtige Anzahl an Tastenlöchern, sowie die richtige Klimabedienung aufweisen – bei Mercedes gab es damals keine Blindstopfen, Eine solche Umrüstung ist also ziemlich aufwendig, teuer und nicht 100 % technisch akkurat. Deshalb sehe ich davon – wie gesagt ab.

Die allerletzte Möglichkeit, die sich zur Aufrüstung bietet ist eher etwas für speziellere Typen. Das können Old-/Youngtimerfahrer sein, denen besonders viel an der Originalität ihres Wagens gelegen, sowie schlicht und ergreifend Sparfüchse. Allesamt müssen aber versierte Elektrobastler sein. Ich selbst würde mir das Folgende mit einem ollen Versuchsradio zutrauen; es würde mich aber nicht wundern, wenn die Operation in die Hose geht.

Es geht darum, eine Leitung mit Klinkenstecker, sprich einer Kopfhörerbuchse direkt in das alte Radio einzulöten. Dazu benötigt man besagtes Kabel, etwas Standardwerkzeug, einen spitzen Lötkolben, sowie den Stromlaufplan (man sagt auch Schaltplan) des jeweiligen Gerätes. Dann wird fleißig zerlegt. Auf der Hauptplatine sitzt meistens der Prozessor des Radios. Das ist ein dunkles Kunststoffviereck mit fürchterlich vielen Drahtbeinchen dran. Auf dem Stromlaufplan seht ihr, welches Beinchen welchen Job übernimmt. Zwei davon, leiten die beiden noch unverstärkten Stereosignale aus dem UKW (FM) Empfangsteil in diesen Prozessor. Spannung und Stromstärke ähnelt hier oft den kleineren Lautstärkebereichen, die ein Handy oder MP3 Player ausspucken. Drum geht es ganz ohne Verdruss ans Löten. Mit viel Fingerspitzengefühl werden an diese Beinchen die beiden Leitungen unseres AUX-Kabels angelötet. Dieses wird dann am besten irgendwo per Kabelbinder befestigt und mit Hilfe einer kleinen Schlaufe vor Zugbewegungen geschützt. Im Radiogehäuse wird dann beherzt ein Loch gebohrt, um das Kabel herauszuführen. Nun kann es ganz beliebig im Armaturenbrett verlegt werden. Fertig!

Zur Benutzung wird zuerst die Radiolautstärke komplett abgedreht. Danach wird der Drehknopf um nur eine Raste lauter gedreht. Vom Radiosignal ist noch nichts zu hören. Das Audiosignal aus unserem Kabel ist aber schon stark genug. Handy anstöpseln, Musik abspielen! Das ganze wird dann über die Handylautstärke geregelt. Nicht unbedingt die komfortabelste Version, aber besser als nichts. Dazu muss natürlich erwähnt werden, dass der Radioprozessor dadurch auch leicht überlastet, und letztlich auch zerstört werden kann. Das Ganze ist also nicht ganz Risikofrei, funktioniert aber vielerorts gut.

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One Response to Normalo-Autoradio: Über das Wechseln und Anschließen von Radios

  1. Hallo

    Ich finde Deinen Beitrag sehr gut.

    Da werden sicher viele Youngtimer-/ Oldtimerbesitzer Freude haben.
    Gruss aus der Schweiz.

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