SKTouchCRT

Touchscreen ist nix neues

Published On 21. Mai 2016 | By autonormalverbraucher | Gedanken vom Fahrersitz
Urheber des Titelbildes ist Saabkyle04. Das Bild stammt aus dem unten genannten Video.

Als Autoschreiberling sollte man tunlichst darauf achten, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Hilfsmittel Numero Uno ist dabei das Internet. Wer aber jeden Tag auf der Suche nach Neuigkeiten ist, hat auch gelegentlich Tage, an denen einfach nichts passiert. Zeit, in die Vergangenheit zu blicken. Auch dafür ist insbesondere Youtube wahnsinnig praktisch.

Ich bin großer Freund alter US Produktionen zum Thema Auto. Vor kurzem habe ich einen Channel namens „US Auto Industry“ entdeckt, der viele uralte Schulungsvideos und Infofilmchen teils schon aus den 30er Jahren anbietet. Hier kann ich Stunden zubringen.

Ähnliches gilt für das noch immer aktuelle US-Format MotorWeek, das seit 1981 vom allseits beliebten Moderator und Automenschen John H. Davis präsentiert wird. Davis hat eine gewisse Fernsehpräsenz, beruhend auf einer Ausstrahlung die der Muttersprachler wohl als „neat“ bezeichnen würde. Ob in jungen Jahren, oder heute als gereifter Senior, wirkt er stets, wie der freundliche und gepflegte middle aged man von nebenan, der einem die Blumen gießt, wenn man mal verreist ist. Mit seiner Persönlichkeit kann sich wohl jeder identifizieren. Nun ist auf Youtube eine enorme Masse seiner Sendungen aus allen Jahrgängen zu finden. Darunter teils schräge Exoten, wie etwa ein Audi 100, oder auch verhärmte 80er Jahre Schlitten aus den USA, wie die zahllosen GM Produkte, die sich in den Bezeichnungen K-Body, Y-Body, Wasauchimmer-Body gruppieren lassen.

Bislang habe ich mich beim Zusehen köstlich amüsiert, ja teils nostalgisch an meine eigene Kindheit in den 90ern zurückerinnert, in der alles Amerikanische saucool war. Bei einer folge traf mich dann eine beeindruckende Erkenntnis: Das Ding hat ’nen Touchscreen!!

Nach drögem Gerede und Gekurve mit einem eher gesichtslosen Mittelklassewagen – dessen Namen ich jetzt zugegebenerweise schon wieder vergessen habe – geht es um den 86er Buick Riviera CRT!

Nie gehört? Nun, ich bis dato auch nicht. Natürlich weiß ich, dass der Riviera ein alteingesessenes Buickmodell ist, aber bei all den Baujahren in denen die Amis ihre karren laufend ändern hat ja niemand den richtigen Durchblick. Diese Autotypen pflege ich in ihrer Bezeichnung stets zu schätzen, bzw. zu raten.

Neben beeindruckenden Features, wie einem großvolumigem V6 mit der Drehfreude einer Waschmaschine wird auch der kunsthölzerne Innenraum gezeigt. Ein Innenraum, den man heute wieder cool findet, weil er so voll und ganz die zeitgenössische Plastikopulenz ausstrahlt. In seiner Mitte dabei, findet jedoch großes statt.

Dieser 30 Jahre alte Wagen verfügt über einen voll funktionsfähigen, ganz serienmäßigen Touchscreen, über den sich sämtliche Elektronikfunktionen für den Innenraum steuern lassen. Mehr noch: Obgleich grüner Pixeligkeit, ist das Ganze noch deutlich übersichtlicher und besser zu bedienen, als der Klumpatsch, den etwa Peugeot in seine neuen Autos pflanzt. Ist der erstaunlich oder nicht?

Youtuber Saabkyle04 hat in einem seiner wunderbaren Gebrauchtwagen-Reviews einen Riviera, der (obwohl zwei Jahre jünger) ebenfalls mit diesem System ausgerüstet ist. Zu sehen hier:

Er führt spielerisch durch das System und alles funktioniert auch nach knapp 30 Jahren noch komplett ordnungsgemäß. Selbst der elektromechanische Deckel des Kassettenfachs arbeitet fehlerlos. Haltbar ist das System also offenbar auch. Zudem wird der Bildschirm genutzt um auf Wunsch diverse Zusatzinstrumente, wie z.B. eine Öldruckanzeige darzustellen. Sowas hat heute kein Hersteller. Zudem handelt es sich offenbar über eine steife und glatte Scheibe am Touchscreen. Berührungsempfindlich, also etwa wie bei einem Smartphone und nicht etwa peugeotmäßig mit einer weichen Plastikscheibe, bei der man nie weiß, ob man fest genug gedrückt hat. So wird die Elektronik Rechts überholt, von einem Auto, dass schon seit 25 Jahren niemand mehr auf dem Schirm hat. Das finde ich Fabelhaft. Es unterstreicht meine Theorie, dass man einen große Menge an neuen Automodellen eigentlich gar nicht bräuchte. Kleine Turbomotoren mit elektronischer Einspritzung gab es damals auch schon – sogar in Amerika. Würde man heute einen 3,1 Liter großen V6 bauen, würde er nur unwesentlich weniger verbrauchen. Und nochmal: Wir reden hier über einen Buick Riviera. Ein Auto, dass heutzutage wirklich niemand als Referenz hernehmen würde.

Fazit:

Ich möchte zum Schluss wieder Bezug auf John Davis nehmen. Er meinte sinngemäß, dass es durchaus Leute geben wird, die sich von so einem Touchscreen ablenken lassen. Trotzdem sorgt ein solches System auf langen Autobahnfahrten für Kurzweile. Die Frage über Sinn und Unsinn entscheidet schließlich, ob man Lust hat, sich den High-Tech-Hintergrund seines Wagens per Schaufel einverleiben zu lassen.

Diese Aussage ist nach 30 Jahren immer noch brandaktuell.

Letztlich gilt das Gleiche für Autotester, die sich auf nervige Weise über zu viele Knöpfchen aufregen. Ich finde flugzeugmäßige Cockpits à la BMW E38 toll. Wenn es mein Auto ist, kenne ich auch jedes Knöpfchen. Ihretwegen müssen wir jetzt mit Autos vorlieb nehmen, die mit allen Mitteln entknopft werden, und daraufhin schlechter zu bedienen sind, als ein 30 Jahre alter Buick.

Like this Article? Share it!

About The Author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *