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Modischer Fahrstil?

Published On 3. Dezember 2015 | By derautonormalverbraucher | Gedanken vom Fahrersitz

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Ich gebe ganz offen zu, ich habe mir letzte Woche bei Starbucks einen Kaffee gekauft. Ich habe in den USA den Geschmack des landestypischen Kaffees für mich entdeckt, und gehe seither auch in Deutschland ganz gern zu einer Donutverkaufsanstalt, die US-Kaffee verkauft und diesen allerorten als besten der Stadt anpreist. Da kann man dann auch mal diesem Trendschuppen mit dem Meerjungfraulogo eine Chance geben, dachte ich.

Nun, wo man aber ständig Starbuckse aus der Erde schießen sieht, und wo junge Frauen in pompösen Leberwurstfarbenen Winterklamotten samt Pappbecher umherstolzieren, fragt man sich doch: Muss sich eigentlich aus allem ein Trend entwickeln?

Reicht nicht die simple Geschmacksfrage, ob man Kaffee mit Siruparoma drin mag, oder nicht?

Mit einem Doppelschock an der Verkaufstheke wurde es mir klar.

Schock 1: Die verticken tatsächlich kalten Kaffee!

Schock 2: Nachdem ich überaus horrend zahlte frug man: Kassenzettel?

Danke, nein! Modeerscheinungen können mir ziemlich oft ziemlich gestohlen bleiben. Ich bin nicht von hinterm Mond und versuche mit der Zeit zu gehen, bin stets offen für Neues. Aber Neues sollte als Grundvoraussetzung eine Verbesserung des Alten mit sich bringen.

Warum das nun auf einem Autoblog zu lesen ist?

Schaut -oder besser hört- euch mal um! Wie viele Straßenverkehrsweisheiten beginnen mit den Worten Heutzutage und Früher?

Heutzutage blinkt ja keine Sau mehr…

Früher wurde man beim Abbiegen noch reingelassen!

Das sind, ob wahr oder nicht, diese Binsenweisheiten, die schon lange im Umlauf sind. Phänomene, die einem besonders auffallen, wenn sie so passieren, dass man sich darüber aufregen kann. Ich bin auch genervt, wenn im Alltag sinnlose Irritationen entstehen, nur weil einer zu faul zum Blinken ist. Aber Hand aufs Herz: Das geht schon lange so, und da habe ich noch nie eine Veränderung im Laufe der Zeit bemerkt. Es gibt aber eine Art Modeerscheinung im Verkehr, die mir relativ neu erscheint und mich somit geradezu schlagartig ankotzt:

Leute, die permanent auf der mittleren Spur auf Autobahnen fahren!

Vereinzelt ist mir aus diesen Kreisen das Argument zu Ohren kommen, dass man auf der Mittleren so schön stressfrei entlangrollen kann, ohne dass man Mühsam LKWs überholen muss.

Also Ehrlich, wo sind wir denn, dass wir uns im Straßenverkehr, ja auch noch auf der Autobahn ausruhen müssen? Die Autobahn ist dazu da, schnell größere Distanzen zurückzulegen. Dadurch ist sie für viele im Berufsalltag so wichtig, wie ein Arbeitsplatz. Und hier müssen andere Leute behindert werden, nur weil einer Faul ist?

Mit dieser schreiend blöden Einstellung können wir uns tempounbegrenzte Autobahnen in Zukunft abschminken. Das funktioniert nämlich nur, wenn die Nutzer einer Autobahn auch kognitiv im Stande sind, sich auf ihr funktionsgemäß zu bewegen.

Wenn eine Autobahn dreispurig ist, dann beinhaltet das schon mal als Grundlage, dass die ziemlich stark frequentiert ist. Wo viele fahren, gibt es auch viele Tempounterschiede. So können reibungsloserweise die ziemlich schnellen die verdammt schnellen einfach durchlassen, während sie selbst die eher langsamen ebenso einfach überholen.

Eine Autobahn ist auch nur eine Straße. Theoretisch braucht man nur die eine (rechte) Fahrspur. Aber damit wäre das Überholen ziemlich gefährlich. Um das zu erleichtern, gibt es die zweite Fahrspur. Sie befährt man (so ähnlich wie bei Bundesstraßen, die mal kurz mehrspurig werden) nur zum Überholen, und ist dabei verpflichtet, auf den bereits überholenden Verkehr zu achten (und nicht einfach gedankenlos auszuscheren). Das selbe gilt im Dreispurigen. Das gibt es, damit man auch Überholer überholen kann.

Wer also in Missachtung dessen in der Mitte herumeiert, ohne einen Grund (ein Überholmanöver) zu haben, handelt damit nicht nur ordnungswidrig, sondern auch noch grob fahrlässig.

Davon abgesehen geht es mir und meiner Laune tierisch auf die Nerven, wenn ich mit sehr dreistelliger Geschwindigkeit voll in die Eisen steigen muss, weil einer in der Mitte pennt und ich gerade nicht wieder nach links kann.

Nicht, dass ich das jemals tun würde, aber es gibt Leute, die auf absolut weiter Flur, ohne weiteren Verkehr in der Mitte fahren, an denen man rechts vorbeifahren kann, ohne dass sie überhaupt nur irgendeine Regung der Verwunderung zeigen. Mal ehrlich, wenn mich jemand ohne Aggressivität  einfach ganz locker rechts überholen würde, und ich merke es erst, wenn er schon vorbei ist, dann würde ich doch sehr darüber nachdenken, mit schleunigst eine Bahncard zuzulegen. Gelegentlich weise ich ordnungsgemäß per Lichthupe Verkehrsteilnehmer auf die Gefahr hin, die durch sie als Hindernis entsteht. Oft wird dann nachkorrigiert, und ordnungsgemäß wieder rechts eingeschert. Jedoch kommt es viel zu oft vor, dass diesem Hinweis keinerlei Verständnis entgegengebracht wird. Auch merken die wenigsten, dass etwas nicht stimmt, wenn sie von jemandem überholt werden, der von gaaaanz rechts nach gaaaaanz links und wieder zurück nach gaaaanz rechts muss.

Es geht mir gar nicht um Raserei und impulsive Selbstjustiz. Dafür ist der Straßenverkehr definitiv das falsche Umfeld. Es geht mir nur um die Einhaltung von Regeln und Geboten, die dazu erdacht sind, für möglichst alle Fahrsituationen die besten Voraussetzungen zu schaffen. Nur so funktioniert die Autobahn, die gleichzeitig verschiedene Fahrgeschwindigkeiten zulässt.

Auch wenn der kleine gemeine Pessimist in mir der Meinung ist, dass alles Geschimpfe sowieso nichts bringt, wenn Leute ihre dummen Fehler gar nicht erst Begreifen, so fände ich doch das ein oder andere Hinweisschild gut.

RunterVomGas_neu

Anstatt der zahlreichen „Fahr Langsam“ Schilder, die einen bei V-Max immer so fürchterlich ablenken, könnte man einfache Tafeln anbringen mit der Aufschrift: „Rechtsfahrgebot! Links nur überholen.“ oder so.

In den Rollbetreppten Bahnhöfen in großen Städten findet sich doch auch stets das Schild „Rechts stehen, Links gehen“.

 

 

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2 Responses to Modischer Fahrstil?

  1. egilaufen says:

    Hallo Andy, dasselbe regt mich auch auf, hab’s am 2. Weihnachtstag bei der Fahrt zu meiner Schwester sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt (insgesamt gute 400 km) mehrfach erlebt. Den ein‘ oder anderen Tuppes konnte ich durch zügiges Wiedereinscheren schnack vor ihm mit nach rechts außen ziehen 😉
    Ich wünsche dir und deiner Liebsten ein gutes neues Jahr 2016, vielleicht schaffen wir es ja in den kommenden 12 Monaten mal, uns auf ’nen guten, heißen Kaffee zu treffen… Viele Grüße aus der Heimat

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