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Fahrbericht: Smart Roadster

Published On 17. Juni 2015 | By derautonormalverbraucher | Frisch getestet

Smart Roadster-2Wieviel Auto braucht der Mensch eigentlich? Meistens ist so eine allgemeingültige Aussage, dass ja für den Grundsatz der Mobilität mit Gepäck und/oder Mitmenschen ein Kleinwagen eben gerade so ausreichend ist. Mit immer größeren Kleinwagen wird dieser Bedarf mit Hilfe von Kleinstwagen gedeckt. Alteingesessene Kleinwagenspezialisten, wie Peugeot, Citroën, oder Fiat wussten das schon immer, Deutschland oder der ferne Osten lange Zeit noch nicht. Immerhin gab es die Japanischen “Kei-Cars”, die es bis auf ein paar Abstrusitäten nie nach Europa geschafft haben. England versuchte sich lange Zeit an eher nichtsnutzigen Sparvehikeln, die aber mehr mit Krankenfahrstühlen gemein hatten, als mit Autos. Viele hatten nicht mal vier Räder!

Gibt es denn überhaupt eine durchgehende Historie von Autos, die fahren, wie ein echtes Auto, dabei aber nur zur Personenbeförderung maximal Zweier dienen, und Stauraum quasi ignorieren?

Tatsächlich wurde so ziemlich jede Kleinwagendynastie damit begründet, auf kleiner Fläche und mit einfachen Möglichkeiten viel zu schaffen. Genialster Geistesblitz war da wohl der des Englischen Konstrukteurs Sir Alec Issigonis, der mit einer Zeichnung auf einer Papierserviette die Autowelt aufräumte, und den Mini ins Leben rief. Er drängte mit altbewährten technischen Möglichkeiten einfach alle möglichen Komponenten ganz nach außen in eine selbsttragende Karosserie, und schuf somit viel mehr Platz, als man es für möglich halten konnte.

Bei Citroen sah man die Sache pragmatischer, und fragte sich ein Jahrzehnt vorher nur, wieviel Auto überhaupt nötig war, um einen Sack Kartoffeln, ein Fässchen Wein, und ein paar Eier über Stock und Stein zu bringen, inklusive zweier Franzosen, denen bei Regen die Gauloise nicht ausgehen sollte. Man schusterte die Ente zusammen, die Jahrzente als Beispiel gekonnter Dünnbrettbohrerei souverän überdauerte.

Deutschland versuchte es seit dem finstersten Kapitel seiner Geschichte genau andersherum. Volkswagens Multimillionenseller sollte ein erschwingliches Auto werden, dass in kostengünstigem Maße die bestmögliche Technik bieten sollte. Man dokterte viel an einer Stromlinienform herum, die Käfers Kofferraum seit jeher zur Farce machte und sprach sich in Porsches Ingenieurbüro für den Heckmotor als allgemeine Ideallösung aus.

Heute weiß mann, dass die Windschlüpfrigkeit des Buckligen schon immer lausig war, und dass Werte zwischen 18 und 44 PS, eine Fahrdynamik erzeugen, bei der es schlicht egal ist, ob sie aus dem Wagenheck, oder aus dem Handschuhfach rasseln. Aber der Heckmotor war ja gut gemeint. Seine Luftkühlung machte ihn auch im Sommer hitzebeständig und im Winter diente er als traktionsfördernder Ballast.

So weit wurde das Ziel einer hochentwickelten Allzweckwaffe also garnicht verfehlt, insbesondere wenn man den Käfer mit Konkurrenten von Ende der 30er Jahre vergleicht.

Diese drei Meilensteine kennt wohl jeder. Und jetzt schlage ich den Haken zum Smart.

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Mit seinem Erscheinen 1998 waren Mini, 2CV und Käfer schon längst als historische Urväter bekannt. Es war Zeit, etwas ganz neues zu schaffen.

Möglichst viel auf kleinem Raum zu bieten, das konnte mittlerweile jeder. Also reduzierte man die Entwicklungsziele drastisch. Rücksitze? Brauchen viele selten. Kofferraum? Fasst meistens eh nur ein paar kleinere Einkäufe. Motorraum? Überfordert wohl die meisten Großstadtcowboys.

Durch konsequentes Weglassen wurde viel Platz gespart und auch ermöglicht, die Micras und Kippelkoreaner, die es bis dato so gab hier und da zu übertrumpfen. Wer reizt denn die kreischende V-Max konventioneller Kleinstwagen überhaupt aus? Dann lieber nur 135 schaffen und dafür mit jedem Motor flott durch die Stadt flitzen. Dadurch durfte das Triebwerk auch mit turbobefeuerter 700cm³ Winzigkeit auskommen, und sich hinten in den Wagenboden kauern.

Und wer hinten keine Rückbank mitführt, sitzt auch als Großer vorne beträchtlich gut. Auch das Cockpit bietet viel Platz, Ablagen und ansonsten alles, was das Herz begehrt. Der Smart ist quasi für den Egoismus eines Menschen konzipiert. Er dient nur 1-2 Menschen, kann das aber besser als viele, die für mehrere bereit sein müssen.

Irgendwann in jedem Text über den Smart findet sich hämische Kritik am sequenziellen Getriebe, was automatisch oder mit eigenen Befehlen gesteuert jeden Gang mit einer ewigen Gedenksekunde reinwuppt. Hand auf’s Herz, als ich in eiligem Berufsverkehr mal einen Leihsmart durch die Stadt scheuchen musste, habe ich das Getriebe auch aufs schärfste verflucht. Man würde es sich wegwünschen. Es gibt aber auch Samstage, an denen man morgens mit bester Laune und viel Zeit zum Bäcker rollen möchte, um die Lieben zu Hause mit Brötchen zu versorgen. Nimmt man sich dann guten Mutes etwas Zeit und ein wenig Gefühl am Gaspedal, flitzt es sich fröhlich, und man fühlt sich wohl und auch recht behaglich im Smartie.

An so einem Tag dachte wohl ein Ingenieur bei sich: “Mensch! Warum nicht ein Smart, der genau diesen Effekt nur noch verschärft?”

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Einige Sägearbeiten und ein Paar Tuben Kunststoffkleber später rollte dann der erste Smart Roadster im Jahre 2003 ins Licht der Welt. Mit grinsender Fröhlichkeit und lebhaftem Röhren sprang er seine Fans an, als wolle er sagen “Hallo, da bin ich!”. Hätte ein Smart Roadster einen Schwanz, würde er wohl permanent wedeln.

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Tatsächlich ist Smartfahren im Roadster ein wenig, wie Gassigehen mit einem nervig doofen, aber einmalig liebenswerten Hund. Zumindest ist das der einzige Weg diese “Getriebeidee” positiv darzustellen. Objektiv gesehen kann ein Smart Roadster wirklich gar nichts aus fröhlich spazieren fahren.

Und damit ist er völlig konkurrenzlos!

Wenn ein konservativer Autofreund diesen Artikel überhaupt bis hier gelesen hat, wird er spätestens jetzt entgegnen, ob ich denn einfach mal sämtliche alten englischen Roadster vergessen hätte?

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Nein, hab ich nicht. Die sind nämlich knorrig, hart, laut und mit kraftzehrendem Schaltgetriebe. Man wird sportlich aktiv gefordert. Das macht der Smart Roadster nicht. Er lädt einfach nur zum Spaßhaben ein und bietet dabei seinen 1-2 Insassen einen netten Platz an der Sonne. Sonst nix. Wie beim normalen Smart, ist auch der Roadster aber genau darauf konzentriert. Wer nicht mehr können will, kann das Essenzielle besser, als jeder der irgendwelche Kompromisse eingeht.

Sein Innenraum überrascht zunächst mit wirklich guten Sitzen, an denen nichts kleinstwagenmäßig ist. Auch Sitzposition und Ergonomie stimmen. Die meisten Materialien gehen auch in Ordnung. Eine Zeile, die mit “Beim ersten Schlüsseldreh springt der Motor an”, oder so ähnlich beginnt, wird es aber in diesem Artikel leider nicht geben. Das liegt nicht am Motor, sondern am klapprigen Plastikzündschloss, was zwischen den Sitzen vollgestaubt wird und haptisch ein wenig an Babyspielzeug erinnert. Die Lesespule der Wegfahrsperre erkennt dann meistens nicht, womit man da gerade unwirsch im Schloss wurschtelt und man muss den Schlüssel noch mal rausziehen, absperren, aufsperren und dann ganz schnell nochmal drehen. Dann springt hinten das Motörchen an, wenn man Glück hat.

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Spätestens jetzt sollte man das Plastiktürchen neben sich zugezogen haben. Aber nicht zu feste, denn man ist besorgt, etwas kaputt zumachen. Trotzdem fühlt man sich wohl in der “Tridion” genannten Sicherheitszelle, die das Rückgrat eines jeden Smarts darstellt. Die vom Roadster sieht aus, als hätte man die Zelle eines normalen Smarts ganz einfach mit Photoshop flach gemacht und anschließend langgezogen. So wurde aus dem Elefantenrollschuh ein durchaus schnittiger Turnschuh. In dieser massiv wirkenden Umgebung stellt sich überraschend ein Gefühl von Geborgenheit ein. Beim Fahren verlangt die Servofreie Lenkung ein klein wenig Zupacken, ohne schwergängig zu sein. Das fühlt sich so ähnlich an, wie früher im Kettcar, nur dass man nicht selbst treten muss. Dazu schiebt spürbar genug der 82 PS starke Dreizylinder und klingt dabei ähnlich lustig, wie ein Kind, das beim schieben seines Siku-Modellautos versucht einen besonders sportlichen Sound zu erzeugen. Immerhin: Ohne jede Lächerlichkeit schafft der Roadster laut Tacho beachtliche 180km/h, wenn man mal tatsächlich irgendwo hinfahren muss. Fordert man ihn derart, endet man allerdings bei einem wenig kleinen Verbrauch, von etwa 7,5-8 Litern. Immerhin werden die beiden Passagiere je nach Ausstattung ganz erwachsen von Klimaanlage, Sitzheizung und elektrischen Fensterhebern verwöhnt.

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Man spürt an jeder Stelle, wie gesagt, dass der Smart genau dazu konstruiert ist. Wirklich alles ist klein und – von den beiden Kofferräumchen mal abgesehen – zweckmäßig gestaltet. Bis hin zu Details wie den Scheibenwaschdüsen. Sie liegen mittig zu dritt in einem verstellbaren Plastikknubbel. Wo bei anderen Autos für die Entwicklung solcher Kleinigkeiten wohl kaum ein Gedanke verschwendet wird, erfreut einen der Smart mit Detailverliebtheit, ohne spartanisch zu sein. Kein Mensch braucht unbedingt eine Mischbereifung mit extrabreiten Hinterrädern, aber es sieht einfach verdammt cool aus. Zusammen mit dem Heckmotor sorgen sie bei Trockenheit für Kurvenfahrten, wie im Autoscooter. Bei nasser Straße und abgefahrenen Hinterreifen, ruft ein schwerer Gasfuß allerdings ziemlich schlagartig das träge ESP auf den Plan. Spaß macht’s trotzdem.

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Fazit:

Ich bleibe bei meiner Sichtweise. Der Smart Roadster ist ein Spaßgerät, das auch wirklich nur zum Spaßhaben entwickelt worden ist.

So ähnlich, wie ein durchschnittliches Freizeitmotorrad, ist er der perfekte Begleiter für’s Spazierenfahren am Wochenende. Dabei ist er kein windiger Plastikeimer, sondern ernstzunehmend gut gemacht. So ermöglicht er einem auch auf jeder Alltagsfahrt ein wenig Wochenendgefühl. So macht das auch die Besitzerin des Testwagens. Sie ist Studentin und schimpft oft über Platzmangel und das doofe Getriebe, wenn mal Stau ist. Sie würde gerne ein normalgroßes Auto fahren. Hergeben würde sie ihren kleinen Roadster aber dafür wohl nie freiwillig. Für meine kurze Testfahrt hat sie ihn allerdings abgegeben. Ihr steht das Auto super.

Mir (mit 2,05m Größe) nicht.

Smart Roadster-14Fotos von: Caroline Jüngling Photography

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