5er

Fahrbericht: BMW 525d (E61)

Published On 19. April 2015 | By derautonormalverbraucher | Frisch getestet

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Auf den Testtag mit dem 5er Touring habe ich mich wirklich gefreut. In den letzten Paar Jahren ist mir der dicke Bayer optisch immer sympathischer geworden, gerade als Kombi. Der breitschultrige Auftritt mit den stets sehr tief geschüsselten Felgen in Kombination mit der sehr geschliffenen Stilistik des damaligen Chefdesigners Chris Bangle polarisiert und ist ziemlich einzigartig.

Ich muss gestehen, dass der E60 (2003-2010) eine ganze Weile gebraucht hat, um mir zu gefallen, da er bei seiner Markteinführung doch schockierend klobiger wirkte, als der klassisch schöne Vorgänger E39.

Vor rund 11 Jahren saß ich dann zum ersten Mal in einem E60 und war ziemlich enttäuscht. Beim fast nagelneuen Auto begannen innen schon Softlackblenden abzublättern, und auch sonst wirkte er weit weniger hochwertig, als sein Vorgänger.

Wie sieht’s heute aus, wo man schon für unter 10.000€ in der bayerischen Businessklasse unterwegs sein kann, wie ich es vor kurzem im Artikel über seinen Nachfolger F10 prophezeit habe?

Meine eigene Meinung auf den Punkt zu bringen, fällt mir beim E60 nicht ganz leicht. Der Vorgänger E39 war und ist in meinen Augen ein Vorzeigebeispiel für den perfekten BMW. Schlank und grazil, trotzdem wertig und satt zu bedienen. Im Innenraum erfreute ich mich am reich verknopften Flugzeugcockpit mit feingliedrigem Schalthebel. Allein der flutscht so herrlich, dass ich bei ihm komplett auf Automatik verzichten würde. Dann wurden im E60 genau diese Aspekte anders.

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Aus dem Grund mussten alle Neuheiten überzeugen, damit er kein Flop werden würde. Was die Karosserie angeht ist das Geschmackssache. Wie gesagt: Um ihn schön, statt schrecklich zu finden bedurfte es bei mir ca. 10 Jahre. Es bleibt der

Innenraum:

Hier findet sich mein größter Kritikpunkt: Der Wohlfühlfaktor. Mein Testwagen, ein 525dA Touring, Bj. 2005 war nicht unbedingt schlecht ausgestattet. Trotzdem wirkte er einfach ausgedrückt sehr karg. Ich mag das Innendesign und komme auch prächtig mit dem iDrive der ersten Generation klar. Ich bin zwar Liebhaber vieler Knöpfe, aber das gesamte Bedienkonzept ist wunderbar durchdacht und prima zu bedienen. Was mich aber wirklich stört sind heute wie damals die billig wirkenden Plastikteile, die überall zu finden sind. Im Blinkerhebel klappern bei jeder Berührung die Tasten des Bordcomputers herum. Der Lautstärkeknopf der Radiobedienung oszilliert derart eierig herum, dass man Sorge hat, ihn einfach abzupflücken. Schließ- und Klappgeräusche verschiedener Fächer wirken arg dünne. Außerdem hat man immer im Auge, wie unpassend spärlich die silbernen Plastikleisten daherkommen, die standardmäßig verbaut wurden. Auch der Softlack blättert noch immer munter vor sich hin. Im Kofferraum finden sich nach 10 Jahren Verkleidungsteile, die doch arg mitgenommen aussehen.

Gerade hier muss sich der Fünfer den Vergleich zur E-Klasse gefallen lassen. Der W211 wirkt selbst als Taxi schon um Welten hochwertiger, als ein einfacherer E60. Satt und schwer schließende Türen, oder die Haptik verschiedener Knöpfe sind auf einem anderen Niveau. Traurig für den 5er: Auch die Vorgänger BMW E39 und Mercedes W210 können all dies besser. Was für ein großes Glück (!), dass das iDrive serienmäßig verbaut wurde. Wäre es, wie im E90, nur eine Sonderausstattung, so würde dem E60 auch noch ein großes Stück seiner Modernität fehlen. So bewahren ihn nur seine elegant glattflächig gestalteten Flächen davor, innen wie ein wesentlich billigeres Auto zu wirken. Sehr schade.

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Ergonomie und Raumgefühl hingegen sind natürlich kaum zu schlagen. Hier fällt eben doch auf, dass man in einem PKW der Oberklasse sitzt. Wohl kaum war jemals ein Handbremshebel so gediegen und formschön an einer bequemen und großen Armauflage untergebracht. Ein ganz wichtiges Kriterium: Man fährt keinen einzigen Meter Autobahn richtig gerne, ohne nicht irgendwo seine Arme zu parken. Bei so einem Auto sind Türauflage und Mittelarmlehne unersetzlich. Jedenfalls hat der Mensch bei BMW, der das Cockpit des 5er auf Ellenbogentauglichkeit hin optimiert hat einen fantastischen Job gemacht. Man lümmelt wie bei Oma im Lieblingssessel, nur ohne Häkeldecke. Das liegt natürlich auch an den Sitzen. Wie gewohnt bei BMW, sind die mannigfaltig verstellbar, sehr angenehm geformt, mit genug Seitenhalt und auch durchaus lange haltbar. Zum Reisewagen gehören auch die Rücksitze, also darf man die nicht vergessen. Für Hinterbänkler bieten sie unschlagbaren Komfort, auch da die komplette Lehnenmitte als Armlehne dienen darf. Außerdem bieten Innenhöhe und Sitzabstand sogar ausreichend Platz für absurd große Menschen, wie mich. Bemerkenswert! Für Dakota-Chantal und Bruce-Emil in ihren Kindersitzen dürfte so die nächste Urlaubsfahrt nicht allzu übel werden. Sie haben auch ihre eigenen Steckdosen für allerlei elektronisches.

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Wenn also nicht gerade mal wieder was klappert, oder man eine Taste bedienen muss, ist man im 5er fabelhaft untergebracht, wobei die Herzenslust dabei leider etwas auf der Strecke bleibt.

Der Kofferraum erfreut mit nobel beteppichten Flächen, bei denen die Bodenplatte sogar per Gasdämpfer angehoben wird. Dass man hinter den praktischen Seitenfächern auf wirr aussehende ungeschützte Kabelbäume stößt, könnte Ästheten stören. Mir war’s egal. Deutlich ist jedoch der (zu erwartende) Unterschied zum Kofferraum eines E-Klasse T-Modells (W211). Mit 535/1650l (BMW) gegenüber 690/1950l (MB) muss da im 5er so einiges zuhause bleiben, und dabei hat er nicht mal ein vollwertiges Ersatzrad an Bord. Im echten Leben ist natürlich auch der BMW selten zu knapp. Für den Urlaub braucht man halt zur Not eine Dachbox. Ein dickes Lob auch noch für den penibel aufteil- und sortierbaren doppelten Boden. Die Fixierungsmöglichkeiten sind wirklich schön ausgeführt.

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Motor/Antrieb:

Wie gesagt war mein Testwagen ein 525dA Touring von vor dem Facelift. Das Heißt: 2,5l Reihensechszylinder mit 177PS, 400Nm Drehmoment und Sechsstufenautomatik. Interessanterweise vom Motor her ein exakter Konkurrent zu meinem privaten E270 CDI, der allerdings mit einem Zylinder weniger auskommen muss. Gerade der Unterschied liegt auf der Hand. Beim Thema Laufruhe macht dem BMW 6-Ender nichts und niemand etwas vor. Dieses Triebwerk klingt und läuft, wie dicke Bratensoße über sechs bayerische Knödel – genussvoll, herzhaft und schwer.

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Das ist aber überhaupt nichts neues, und man muss den Antrieb objektiv betrachten. Erwartungsgemäß liefert der Motor neben der typischen Laufruhe auch spürbare Drehfreudigkeit. Die geht allerdings damit einher, dass anders, als beim Benz kein traktormäßiger Dieselpunch anschiebt, sondern dass die Leistungsentfaltung eher elastisch stattfindet. Das hat zwar den Vorteil, dass einem bei schneller Autobahnfahrt nach oben hin nicht so schnell die Puste ausgeht, allerdings ist das Drehmoment nicht sehr deutlich spürbar. Andere Dieselmotoren klotzen einfach mehr ran, wo der 525d eher vornehm und sanft vorankommt. Rein subjektiv gefällt mir persönlich die Leistungsentfaltung im Mercedes etwas besser.

Es muss aber erwähnt werden, dass der Testwagen, anders als mein Auto über ein Automatikgetriebe verfügt. Auch dadurch geht natürlich ein klein wenig Biss verloren, obwohl dieser Verlust in solchen Leistungsklassen nicht mehr zu spüren sein sollte. Diese Automatik des ungelifteten 5ers ist ein Getriebe der alten Schule, wenn auch sehr fein abgestimmt. Es agiert angenehm weich, ohne jeden Ruck, ist aber dennoch sehr aktiv was Schaltbefehle angeht, die man mit dem Gaspedal gibt, wie auch dann sehr flott beim eigentlichen Schalten. Trotzdem halte ich diesen Automaten für nicht mehr zeitgemäß im E60. Seine Steuerelektronik ist bei weitem noch nicht so auf Zack, wie es spätere Modelle beweisen können. Ein Herunterschalten zum Motorbremsen, wenn der Wagen langsam abgebremst wird fehlt komplett. Um das auszugleichen kann man gut manuell herunterschalten, indem man in die Schaltgasse der Tiptronic wechselt. Nutzt man diese komplett manuell, weil man meint dass sei sportlich, kommt beim Hochschalten die Steuerung nicht so flott mit, und schneidet dem Motor beim Hochschalten etwas grob die Leistung ab. Wie gesagt: Es ist nicht träge, funktioniert aber einfach etwas altmodisch. Und genau das führt zu einem weiteren großen Mangel am 525d (vor dem Facelift):

Der Spritverbrauch ist einfach viel zu hoch. Im normalen Fahrbetrieb auf Landstraßen lag ich bei 8,2-8,5 Litern bei warmgefahrenem Motor. Der E270 liegt auf den selben Straßen mit der selben Fahrweise über 1,5 Liter/100km darunter. Ich wollte mich nicht zufrieden geben und bin auf der Autobahn eine etwas längere Sparrunde zu mir nach hause gefahren. Auf der Strecke finden die letzten 10km mit begrenzten 80km/h statt, was den Verbrauch der E-Klasse locker auf bis zu 5,8l drückt. Beim 5er waren es 7,1l ohne Stop&Go, oder sonstige Benachteiligungen.

Auch wenn es unfair ist einen Automatikkombi mit einer handgerührten Limousine zu vergleichen: Der Verbrauch des BMW ist einfach zu hoch. Der Mercedes hat den älteren Motor und mehr Hubraum und verbraucht weit weniger. Das geht also echt besser. Ich hätte zur Ehrenrettung natürlich großes Interesse an Verbrauchswerten von handgeschalteten 525d, weil ich der Meinung bin, dass die konservativ regelnde Automatik viel Energie verschwendet. Wer nicht darauf verzichten will, dem rate ich zum Kauf eines 530d. Der hat einfach noch den entscheidenden Dampf, der besser mit Automatik harmoniert. Wenn der Dreiliter sich dann auch weniger anstrengen muss, um souverän zu fahren, verbraucht er womöglich auch nicht mal mehr. Ich denke das bewies BMW später dann auch selber, als mit dem Facelift auch der 525d die 3,0l, statt 2,5l Hubraum bekam.

Fahrwerk:

Dem Fahrwerk des E60 liegt in erster Linie eine hochentwickelte Karosserie zugrunde, die Steifigkeit mit einer ausgewogenen Gewichtsverteilung kombiniert. Dadurch wird einerseits feinstes Ansprechverhalten garantiert und andererseits nicht auf Komfort verzichtet. Der komplette Vorderwagen ist mit Leichtbauteilen aus Aluminium gefertigt, die unverrückbar mit der Stahlkarosse des restlichen Autos verbunden sind. Trotz des schweren Diesels und seinem Getriebe ist die Vorderachse genau so leichtfüßig wie die eines M 3. Klingt blödsinnig, funktioniert aber. Anders als beim Sportwagen helfen im 5er natürlich mehr Servokräfte mit und das Fahrwerk ist weicher. Der 5er wurde ja nicht für die Rennstrecke entwickelt, sondern für Vatis dicken Fuß auf dem Sonntagsausflug. Und genau da ist er so souverän fahraktiv, dass ihm nicht mal sein Nachfolger F10 das Wasser reichen kann. Die Hinterachse ist – wie es sich für ein ausgewogenes Fahrwerk gehört, quasi gar nicht zu spüren, trotz des langen Radstandes. Auch dank der steifen Karosse merkt man außerdem kaum Wankbewegungen zur Seite.

Mit dem E60 fährt man schon wonnevolle Kurventempi, während ein Mercedes noch stur geradeaus fährt. Dass er dabei einen Hauch härter federt ist geschenkt, vor allem vor dem Hintergrund, dass mein 5er mit seinen unsinnigen Runflat Holzreifen quasi sogar noch gehandicapt war.

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Fazit:

Mir fällt es nicht leicht, den 5er nicht ständig mit meiner E-Klasse zu vergleichen. Es liegt eben nahe, weil beide zur Oberklasse gehören und ziemlich gleiche Leistungsdaten haben. Obwohl das ja hier kein Vergleichstest ist, schließe ich mit einem darauf bezogenen Urteil:

Ich fahre lieber meinen Benz, als dass ich meinen Testwagen nehmen würde, hätte ich die Wahl.

Mein eigentliches Fazit ist aber die Erklärung weshalb das (für mich) so ist. Wie viele BMWs gilt auch beim E60 der stark schwankende HWF („Habenwollenfaktor“). Dieser Faktor steigt oder sinkt einfach mit den Dingen, die einem subjektiv gefallen, und wird zu den objektiven Fähigkeiten eines Autos addiert. Er ist ganz allein auf jedes einzelne Auto fixiert. Und hier erreicht mein Testwagen nicht viele Punkte. Das Plastik im Innenraum würde mich auf jeder Fahrt stören. Die Automatik fände ich zwar gemütlich, aber ihr Mehrverbrauch würde mir ständig durch den Kopf gehen. Die vielen kleinen Mängel des Testwagens dürften ohnehin nicht sein (Defekter Radioempfangsteil, Heckscheibenöffnung ohne Funktion, überall Softlackschäden, irgendwas klappert ständig…). Ich hätte ihn wohl also beim freundlichen BMW Händler irgendwo in Mittelfranken stehen lassen.

Betrachtet man den 525d aber ohne den HWF, kann es schon wieder anders aussehen. Zuerst würde ich mir ein sämiges BMW Schaltgetriebe aussuchen. Dann würde ich ein Auge auf das Innendekor werfen. Handelte es sich bei den Leisten um eine hochglänzende Lackierung, oder gar um feines dunkles Holz, würde ich mich sofort viel wohler fühlen. So wohl, dass mir ein wenig klappern schon wieder egal wäre.

Es zeigt also, dass wie so oft der Geschmack vorgeht. Ich würde auch jedem Recht geben, der keine E-Klasse wollen würde, weil ihr so lange ein heute modernes Infotainmentsystem fehlte. Ich ärgere mich selbst über meinen überentwickelten Radiosnob, der keine selbstgebrannten CD’s liest, und Aux-Input nur über einen optischen Glasfaser-Datenbus akzeptiert. Das Ganze ist also ein Geben und ein Nehmen. Empfehlen kann ich den BMW also auf jeden Fall. An der Haltbarkeit besteht kein Zweifel und seine von mir benannten „Billigmacken“ lassen sich leicht beseitigen, und halten im Vergleich zum Mercedes die Preise sogar recht niedrig. Und gerade die geschmacklichen Unterschiede können oftmals ein Auto besonders attraktiv machen. Man darf nicht vergessen: Wo der Mercedes mit unzerstörbarer Holzvertäfelung glänzt, kann der BMW z.B. ein Head Up Display über die Motorhaube werfen. Nett oder?

Für Automatikfahrer würde ich allerdings schon den 530d empfehlen. Wer auf die Automatik verzichten kann, ist mit beiden Motoren wohl bestens bedient.

Fotos: Caroline Jüngling

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