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Fahrbericht: BMW 520d (f10)

Published On 29. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Frisch getestet

Mal ehrlich, ist es nicht etwas vermessen, wenn man auf einer Website über das „normale“ Autofahren plötzlich mit einer Limousine der Oberklasse um die Ecke kommt?
Die Antwort: Ein ganz klares Jain!

Natürlich ist der 5er BMW der typische Dienstwagen für Abteilungsleiter, gehobene Außendienstler, oder sonstige Menschen in leitenden Positionen. Und natürlich hat das vor allem seinen Preis. Das wird also hier keine simple Kaufberatung für einen sehr teuren Neuwagen, sondern eher ein Fahrbericht über das was früher oder später in Reichweite der Gebrauchtwagengenießer kommt.

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Tatsächlich gibt es wohl keinen ergreifenderen Wertverlust, als den eines BMW. Erst vor ein paar Tagen bin ich im Netz über einen 316i Touring, Baujahr 98 gestolpert. Das Auto war nicht mehr wirklich schön und hatte einen kaputten Auspuff. Immerhin besaß es noch problemlosen Tüv und relativ wenig Rost. Der Preis: 150€.

Die meisten Fahrräder sind teurer als das, was jemand mit Stolz von seinem Händler oder gar aus einem der BMW Werke abgeholt hat. Damals vor 17 Jahren lag wohl ein Blumenstrauß für die Gattin auf dem Beifahrersitz. Nach der ersten Regenfahrt hat man ihn wohl noch von Hand wieder gesäubert, damit die Werksfrische noch ein wenig bleibt. Vermutlich wurde mit dem neuen Wagen damals erst mal ein Familienausflug gemacht, vielleicht zu einem schönen Restaurant. Und so schnell ist diese Liebe nun verblüht, dass der vernachlässigte Rest nun noch zu Spottpreisen verheizt wird.
Realität ist nun mal, dass ein Autoleben nicht so furchtbar lang ist. Und geht es einmal zu ende, haben teurere Autos oft schlechtere Karten, weil sie immernoch teuer im Unterhalt sind. Außerdem erscheinen sie in unserer Wegwerfgesellschaft tendenziell schneller uncool, als ein Brot-und-Butter Kleinwagen, der zeit Lebens nur einen Nutzgegenstand darstellte.
So wird es auch einmal dem fein glänzenden Großwagen gehen, den ich hier vorstelle. Ich bin in den Genuss gekommen, ihn immer wieder über längere Zeit im Alltag fahren zu dürfen. Als eigentlich E-Klasse Fahrer erscheint einem Platzangebot, und Fahrkomfort nun nicht zwingend als neue Offenbarung, aber allgemein ist hochkomfortables Reisen in dieser Klasse garantiert.

Was ist also der erste Fahreindruck zum Thema 5er BMW? Natürlich die sagenhaft gute 8-Gang Automatik aus dem Hause ZF. Das steht so in jedem Testbericht und es stimmt. Einerseits ist sie an Weichheit und Komfort nicht zu übertreffen, und andererseits schaltet sie fast so schnell wie ein Doppelkupplungsgetriebe, und das obwohl ganz konventionell ein Wandler den Kraftschluss herstellt. Zusammen mit ausgefeilter Elektronik übernimmt sie auch das Motorbremsen je nach Fahrsituation, wodurch der Durchschnittsverbrauch noch weiter gedrückt wird. Besser geht es einfach momentan nicht. Nirgendwo. Ein DSG wirkt objektiv zwar genausogut, arbeitet aber klanglich so zackig, dass es nicht so recht zum guten Ton bei so einer Sänfte passen würde. Apropos Klang:

Antrieb und Fahrverhalten:
Der von mir getestete 520d ist die zweitschwächste Ausbaustufe, des breit gefächert potenten Zweiliter Vierzylinders. Das klingt nicht unbedingt nach viel, ist aber genau passend zum Auto und mehr als Ausreichend… bis auf den Klang eben. Unter Last und gerade in kaltem Betrieb röhrt er etwas sehr verzweifelt durch die große, zweiflutige Auspuffanlage. Was in dem Moment nicht so ganz lustvoll klingt, geht aber schon bei gleichbleibendem Tempo in geschmeidige Ruhe über. Es ist nicht die Ruhe, die der 530d (und aufwärts) bietet, die einem geforderte Leistungsbrocken mal eben aus dem Ärmel schüttelt, und auch nicht das bullige satte knurren eines Mercedes Vierzylinders, der mehr den kräftigen Arbeiterton anstimmt, aber es ist immernoch erträglich. Die 190 PS kommen zusammen mit 400Nm Drehmoment. Reicht locker um ein schneller Autobahndampfer zu sein. Auch der schwerere Touring ist damit sehr adäquat unterwegs. Auch die Verbräuche, die der Vierzylinder erreicht sind über jeden Zweifel erhaben. Arbeitet man genau am Gas kann man zügig unterwegs sein, und einen glatten 5,0 Liter Schnitt hinbekommen. In der Stadt wird’s natürlich noch etwas mehr. Interessant ist aber ein Phänomen der Fahrprogramme.

Setzt man den „Fahrerlebnisschalter“ in den Sparbereich EcoPro, wird die Gasannahme weniger direkt, das Getriebe schaltet früher und alles wird ein wenig sanfter. Das sind aber nur unterstützende Faktoren. Der Motor verbraucht dadurch natürlich nicht einfach weniger. Das habe ich genau getestet: Auf langer Bundesstraßenfahrt, lag ich im normalen Komfortmodus auf 4,4l und bei gleichen Begebenheiten in EcoPro bei 4,6. Wie kommt das? In EcoPro wird das Streckenprofil derart analysiert, dass der Wagen längere Gefälle hindurch“segelt“. Das heißt, dass das Auto auskuppelt und die Rollenergie zum Laden der Batterie nutzt. Dabei läuft der Motor im Leerlauf weiter(!). Im Komfortmodus passiert das nicht. Der Motor bleibt eingekuppelt und die Schubabschaltung lässt ihn nichts verbrauchen. Die Räder drehen am Motor, nicht andersrum. Wer das nutzt, und Schwung holt, um Steigungen nicht mit mehr Gas zu überwinden, braucht weniger Sprit, als das segelnde Auto das im Leerlauf Sprit einspritzt. Offensichtlich konfiguriert BMW den EcoPro Modus also so, dass Leute, die zu blöd sind im Normalmodus maximal sparsam zu sein auch etwas weniger Verbrauchen können.
BMW-typisch ist auch das standartmäßige Fahrwerk vorn mit Doppelquerlenkern leichtfüßig und direkt. Das gleiche gilt für die präzise Lenkung. Für Sportfahrer gibt sie vielleicht aufgrund ihrer Elektrounterstützung etwas wenig Rückmeldung. Immerhin verschärft sie sich zum Positiven, wenn man im Sportprogramm unterwegs ist – wenn’s mal sein muss. Klagen kann man eigentlich nur mal wieder über die Runflat-Holzreifen, die BMW so gern verbaut. Sie leiten harte Schläge zwar nur ein bisschen mehr durch, als normale Pneus, jedoch spürt und hört man deutlich wie die Räder durch Schlaglöcher und über Querfugen rumpeln. Auch das Abrollgeräusch ist sehr laut. Immerhin dürfte das für den Gebrauchtkäufer kein Problem mehr sein, insofern inzwischen vernünftige Reifen verbaut sind. Trotz aller Leichtigkeit aber noch mein Geheimtipp: Der 6-Ender ab 530 liegt etwas satter.

Innenraum:

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Das gesamte Innenleben im 5er ist ganz großes Tennis. Es liegt auf Augenhöhe mit dem Plattformbruder 7er, und bietet spürbar mehr Wohnlichkeit, als das des 3ers. Deutlich wird aber auch, dass es optisch auf modernste Ausstattungsdetails ausgelegt ist. Besitzt man z.B. nicht den großen I-Drive Monitor mit Breitformat, liegt ein kleines Farbdisplay etwas armselig in einem viel zu großen Rahmen. Auch die sparsam verkleidete Mittelkonsole, die es ohne die hübschen Klappenfächer vor dem Facelift gab, lässt zuviel zu wünschen übrig. Sie ist aber auch selten. Rein geschmacklich bin ich selbst ein großer Fan des Cockpits im 5er. Lediglich das etwas klobige Dreispeichenlenkrad gefällt mir weniger gut. Immerhin ist es schön griffig. Besonders das Kombiinstrument mit „erweitertem Umfang“ ist ein echter Augenschmaus. Das ganze nennt sich Black-Panel Technologie und man kann es sich so vorstellen, als würde man auf ein großes Display einfach zwei Zierringe um Tacho und Drehzahlmesser aufkleben. Der gesamte Hintergrund des Gehäuses dient als flexible Anzeige. Fluchtpunktlinien in Beleuchtungsfarbe dienen dabei zur räumlichen Tiefe. Navigation und Fahrassistenten lassen sich großflächig einblenden. Optisch dazu passend funktioniert ähnlich auch das Display der Klimaautomatik. Wirklich sehr edel und noch eine ganze Spur schicker, als im robust wirkenden Mercedes W212.

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Enorm ist das Platzangebot im Fond. Ich selbst bin über zwei Meter groß, und konnte bequem hinter dem Fahrersitz platznehmen, der auf mich eingestellt war. Das ist gefühlt eine ganze Fahrzeuggröße geräumiger, als zum Beispiel bei meiner W210 E-Klasse. Hut ab! Der Kofferraum ist dick verkleidet und mit 520l Volumen voll im Klassendurchschnitt. Leider ist aber die abgegrenzte Bodenebene sehr durch die Radkästen begrenzt.

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Das Außendesign ist fulminant gelungen. Ich finde es knüpft direkt an den traumhaft schönen e39 5er (1996-2003) an. Er ist gestreckt, sehnig und leichtfüßig, wie ein guter BMW immer schon war. Der Bangle 5er e60 (2003-2010) hat da viel mehr polarisiert und benötigte 7 Jahre, um mir schließlich zu gefallen. Inzwischen mag ich auch ihn. Trotzdem ist der aktuelle 5er ganz klassisch BMW. Hervorragend! Meistens sieht man ihn ja auf den linken Spuren unserer Autobahnen mit schwarzen Felgen, die mal silbern lackiert waren. Die Alufelgen sind eine optische Schwachstelle an allen BMWs seiner Bauzeit. Die sind bei allen Dickschiffen im Außendienst eigentlich immer schwarz, allerdings brennt sich der Bremsstaub hier offenbar schneller ein. Die meisten Felgen sind gelblich verfärbt und nicht mehr sauber zu bekommen. Wichtig ist auch, dass man auf den korrekten Sitz der Motorhaube achtet (Spaltmaße). Die Haube schließt normalerweise sanft, satt und leise und verfügt über zwei Schlösser an den beiden Ecken. Gelegentlich schließt sich nur eines und dann steht die andere Ecke hoch und kann sich relativ leicht verziehen.

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Fazit:

Es dauert also für die einen mehr, für die anderen weniger lange, bis auch dieser schicke 5er in durchaus erreichbare Sphären kommen. Meinem Testwagen lag eine Neuwagenrechnung über rund 54.000€ bei. Inzwischen findet man die ersten Langstreckenautos schon zum Preis des letztens vorgestellten Skoda Rapid. Und da wird das Ganze echt interessant. Natürlich sind die ältesten 5er erst fünf Jahre alt, aber man findet durchaus schon sehr hohe Laufleistungen, die bisher wohl sehr problemarm abgespult wurden. Er bietet also auf lange Sicht sehr feines Fahren. Klassisch als BMW eher leichtfüßig, statt vehement taxitypisch.

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