Der Auto(r)

Ich persönlich

Published On 22. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Benzingespräche

Zeit wird’s, dass ich mal darüber Aufschluss gebe, wer hier die ganzen Berichte über fahrende Normalität zu verschulden hat.

Man denkt sich keinen Autoblog aus, wenn man nicht selbst zumindest ausreichend einen an der Waffel hat, was das Thema angeht. Und da sind wir schon beim ausschlaggebenden Faktor: Wer als Normalo nicht gerade das Glück hat mit der Fahrzeugtechnik zu arbeiten, oder im Olymp des KFZ-Journalismus sitzt, und seine Ansichten zu Geld machen kann, steht relativ allein da. Der Bezug zum Auto ist jeden Tag durchgängig vorhanden. Man fährt, man grübelt, man bildet sich Meinungen, und man teilt diese Meinungen in der Kneipe, am heimischen Esstisch, am Touristenzaun an der Nordschleife, oder überall sonst, wo eben Benzingespräche stattfinden. Irgendwo da bin ich dabei. Immer!

Der Auto(r)

 

Der Typ da auf dem Bild bin also ich. Mein Name ist Andreas Jüngling, ich komme aus dem Rheinland, wohne in Franken und studiere so vor mich hin. Leicht gesagt: Ich halte mich selbst für den Archetypen eines völlig normalen Benzinkopfes, der für seine Vorstellung natürlich nicht auf seinen fahrbaren Untersatz verzichten kann. Mein Auto ist glücklicherweise eine Mercedes E-Klasse, Baujahr 2000, mit dem 270er CDI Motor und einem seltenen Schaltgetriebe. Das Setting für dieses Foto habe ich auch bewusst „normal“ gewählt. Klar habe ich es hübsch fotografieren lassen, und mir eine nette Kulisse ausgesucht, aber: Es ist früh morgens, da ist noch Tauwasser auf dem Auto, es ist nicht gewaschen und es trägt langweilige und schwarzgebremste Winterräder. Gleich nach dem Fototermin hat es mich wieder bequem über rund 500km auf der A3 gefahren.

Trotzdem gebe ich mir natürlich die größte Mühe das Auto gut zu pflegen, damit es mir lange so erhalten bleibt. Aber es wird eben benutzt. Ich habe keine andere Wahl, als meinem Diesel viele Kilometer zuzumuten, will es aber auch gar nicht anders. Als er vor knapp zwei Jahren zu mir kam, hatte er noch 56.000km auf der Uhr. Heute sind es rund 118.000km. Er zieht ab und zu einen Anhänger, wird ab und zu mit Menschen oder der Fotoausrüstung meiner Frau vollgepackt, er fährt mehrmals die Woche über matschige Feldwege zum Reitstall und dient natürlich für den täglichen Arbeitsweg und am Wochenende um mal die Verwandtschaft zu besuchen. Dennoch wird sein Lack handgewaschen, sein Leder stets gepflegt und jede Misshandlung vermieden. Er dankt es mir mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,0l/100km.

Klingt alles ein bisschen sehr normal, fast schon langweilig oder? Das liegt daran, dass ich nur mein Auto beschreibe, und wie der Alltag damit aussieht. Tatsächlich hänge ich aber im Sommer mit der Zahnbürste in meinen hübscheren Alufelgen, mache mir Gedanken über perfekte Ganganschlüsse, Zwischengas, oder Kurvenradien beim Sonntagsausflug in der Fränkischen Schweiz. Ich kenne jeden einzelnen Newtonmeter aus dem Drehmoment mit Vornamen. Ich weiß nicht nur meinen Farbcode (Violan, 339, SA spezifisch f. Avantgarde), sondern auch die meisten anderen derer mit Stern auswendig. Ich blicke verliebt auf die Berg-und-Tal Spur, die der Einarmwischer über die Scheibe zieht, wenn das RainEx mal nicht genügt. Ich kenne das gierige Gluckern, wenn man beim Tanken die letzten zwei Liter Diesel mit Gefühl reinschütten muss, damit die Pistole nicht abschaltet. Das ist also der Blick in mein Alltagshirn. Wie kommt das?

Ganz einfach: Ich habe mich nie für etwas anderes Interessiert. Aufgewachsen in einer komplett vom Stern geprägten Familie genoss ich von Kindesbeinen an einen enormen Zugang zur Materie. Sobald ich ansatzweise lesen konnte verschlang ich bereits die KFZ Literatur meiner Brüder. Man könnte sagen: Ich hab im W124 nicht nur das Laufen gelernt sondern auch aus dem Kindersitz heraus schon sehnlichst auf meinen eigenen Führerschein gewartet. Beim W124 bin ich besonders hängen geblieben. Noch heute bin ich in der Lage am Türgeräusch blind die Karosserieform nennen zu können, oder im heimischen Archiv anhand von Preislisten meinen Wunschneuwagen Baujahr 1991 zu konfigurieren. Durchs familiäre Umfeld wurde das Interesse immer weiter wachsend auch auf andere Baureihen gelenkt. W123, W116, R u. C107, W126, W201, W202, W203, W210, W220, W211 und R230 durfte ich allein dadurch schon in mannigfaltiger Auswahl „studieren“.

Jetzt gibt’s natürlich viele unglaublich eingefleischte Markenfreaks, die aber oftmals relativ eng nur bei einer Marke bleiben. Das hat mir aber nie gereicht. Klar ging bei mir der Stern meist über alles, aber mich hat immer auch interessiert, was die anderen so treiben. Die Faszination zur Vielfalt, die uns auf den Straßen begegnet spürte ich schon immer. Mit dem Alter wuchs schließlich auch die Erfahrung, wie auch der Zugang zum ersten eigenen Auto. Was Kompaktes angeht gab’s bei Mercedes nur die A-Klasse. Vor dem Hintergrund fiel die Wahl auf den Klassenprimus VW Golf. Ich hatte ein besonders schönes Exemplar (https://autonormalverbraucher.wordpress.com/2015/02/06/von-verflossener-liebe/), was mich durch meine Jugend begleitete und dank seines späteren Fahrwerks intensivste Einblicke in die Fahrdynamik gab, obwohl die Motorleistung dabei nur geringfügig vorhanden war. Es hat nicht lang gedauert, da kannte ich schon jede Schraube an diesem Golf, weil ich sie schon in der Hand hatte. Freiwillig. Kaputt war eigentlich nie was. Genialerweise machte mein bester Freund die Phase exakt genau so mit mir durch. Auch im Golf 3.

Liebe Leute: Mit Gleichgesinnten werden die Fahranfängerjahre zum extrem wertvollen Lebensabschnitt. Ich kann das jedem nur wünschen!

Mit der Zeit wuchs auch die Begeisterung zum Motorsport. Kartfahren als Kind gehörte dazu, aber auch schließlich tiefere Einblicke in den Rennzirkus um die Nürburgring Nordschleife in der Eifel. Ich genoss es, mich bei entsprechenden Gelegenheiten in den Boxen, auf- sowie um die Strecke zu bewegen, und fühlte mich voll in meinem Element. Das einzige was mich dort etwas aufhalten konnte war das Abitur, sowie eine große Gewissheit:

 

Benzin im Blut, schön und gut! Aber womit die Brötchen verdienen?

 

„Geh halt in die Automobilentwicklung“ hörte ich oft und viel. Das ist etwas „unpraktisch“, wenn man wie ich Mathe und Physik nur wie eine Sträflingskugel am Bein so gerade durch die Schule geschleppt hat. Irgendwas sollte eben schon auch studiert werden. Nach viel hin und her wurde aber klar, dass „Autologie“ wohl bei keiner Uni auf dem Lehrplan steht. Nun bin ich ganz brav auf dem Weg in einen normalen Beruf und habe dieses schreiende Kind im Hinterkopf, was nach Autos wie nach seinem Fläschchen brüllt. Dummes Zeug reden konnte ich schon immer, also habe ich mich entschlossen den ganzen Krempel, den ich so von mir gebe mal schriftlich festzuhalten, um vielleicht den ein oder anderen Leser für mich zu gewinnen. Natürlich bin ich selbst ständiger Leser einschlägiger Automagazine aus dem Axel Springer- oder dem Motor Klassik Verlag. Das tu ich auch gerne, bin aber nicht immer unbedingt einer Meinung mit vielen Druckwerken. Auch deswegen habe ich mir hiermit ein Sprachrohr geschaffen. Hier gebe ich dann hauptsächlich meine Meinung ab, indem ich neue und alte Autos selbst teste, von meinen Odysseen bei vielen Gebrauchtwagengeschäften berichte, oder allgemein meinen Senf zum Weltgeschehen im Straßenverkehr abgebe.

Das Internet ist für mich nicht nur das vielfältigste Medium, sondern dient mir zugleich als Inspiration, Archiv, Quelle für technische Daten, und eben auch als Plattform für diesen Blog. Ich beschäftige mich täglich mit allen Neuigkeiten, die ich so finden kann und blicke gerne auch in alle Welt. Zu meinen Hobbys gehört auch das Reisen. Hier blicke ich sehr gerne in die verschiedenen Autokulturen der Welt. Das beeinflusst und man gewinnt viele Erfahrungen. Erfahrungen die ich liebend gerne mit anderen interessierten Teile.

 

Autos normal zu verbrauchen kann also durchaus recht unterhaltsam sein!

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One Response to Ich persönlich

  1. Robert says:

    Traumhafte (zum Teil sehr witzige) Formulierungen und einfach schön, dass es noch Gleichgesinnte gibt!

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