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Das breite Spektrum der Verbrauchtwagen

Published On 17. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Die Grünschnabel Kategorie, Frisch getestet, Gedanken vom Fahrersitz

Ein letzter Post in meiner Reihe für Fahranfänger.
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Wer gerade erst den Führerschein erworben hat, kann es meistens kaum erwarten, auch in den Besitz eines Autos zu kommen, und in seiner Mobilität auf eigenen Füßen zu stehen. Oft beschränkt sich diese zu Anfang auf ein Mitbenutzungsrecht über ein elterliches Fahrzeug, aber machen wir uns nichts vor: Muttis Einkaufswagen macht bei den Freunden nicht den allercoolsten Eindruck. Also muss was neues her. Was eigenes! Im vorigen Post über Deutschlands Kiesplätze  (https://autonormalverbraucher.wordpress.com/2015/03/14/uber-das-kaufen-alter-karren-als-erste-autos/) wurde schon erläutert, wie es geht; Hier kommt eine kleine Auswahl, die ich versuche ein wenig zu erklären.

 

Ein wichtiger Entscheidungsfaktor darüber sind ganz oft elterliche Subventionen. Die einen dürfen sich die Farbe ihres Neuwagens aussuchen, die anderen bekommen was Oma übrig lies, aber normalerweise gibt es diesen Bonus nicht. Das klingt ein wenig nach Klassendenken, entspricht aber meiner Erfahrung nach den Realszenarien. Wenn man diesen Bonus nicht hat, neigt man dazu die wirklich allerbilligste Mischung aus Kaufpreis und Unterhalt zu finden, weil man ja irgendwas haben will! Das heißt im Klartext, dass man einen VW oder Opel, deren Versicherungen durch die weite Verbreitung natürlich teurer sind, meidet und stattdessen nach alten und furchtbar seltenen Japanern ausschau hält, oder noch weiter in Nischen abdriftet. Ein alter Nissan Micra ist so ziemlich an der Spitze der allerbilligsten Automöglichkeiten überhaupt. Man kriegt sie hinterhergeworfen, sie fahren gut, und der Unterhalt ist günstig. Diese Seltenheit ist nicht in jedem Fall von Vorteil. Findet man ein perfekt durchgewartetes Rentnerauto ist das Risiko noch am kleinsten, aber ansonsten wird man in der Preisliga unter 1000€ oft mit Reperaturen konfrontiert. Um auch hier wieder zu sparen schraubt man selbst, und geht halt auf den Schrottplatz. Und genau in dem Moment holen die Standardprodukte von VW und Opel wieder auf. Verschleißteile, wie Bremsen, Stoßdämpfer, Auspufftöpfe, Radlager und so weiter sind bei Japanern z.B. oft um ein vielfaches teurer, als bei Heimischem. Ähnlich sieht es auf den Schrottplätzen aus. Hier fallen nicht nur Preise ins Gewicht, sondern auch die Auswahl. Wo nix da ist, kann man auch nix abbauen. Reperaturanleitungen sind schwerer zu bekommen, Internetforen sind im Vergleich nonexistent und gerade für Anfänger sind kleinigkeiten wie Kabelfarben nervig, die bei Japanern oft garnicht unterschieden werden, und nur durch Stromlaufpläne erkennbar sind. Meinem Bruder gelang es so versehentlich mal, seine nachgerüsteten Hecklautsprecher an die Blinkeranlage seines Toyota Corolla anzuschließen.

Wenn es jetzt nur darauf ankäme, müsste wohl jeder Selbstschrauber Golf 3 fahren, der alles einfach macht, und überall versierte Hilfe herunterladbar ist.

Lehrt das also, dass ein oller Deutscher mit seiner teureren Versicherung schließlich doch noch billiger ist, als der spottbepreiste Japaner? Die Antwort ist ein ganz klares Jain!

Viele Japaner sind derat günstig zu haben, und auch qualitativ so gut, dass finanziell wirklich nichts anderes dagegen anstinken kann. Auch ein Nissan Primera ist ein erwachsenes, praktisches, gutes Auto, was man zu Mofapreisen kaufen kann, und dabei viel mehr Platz bietet, als Golf und Astra. Dahingehend ist mein Rat also:

 

Wenn es hart aufs Geld ankommt, sucht mit Geduld den billigsten Japaner mit bestmöglicher Servicegeschichte, den ihr finden könnt!

 

Kandidaten neben Micra und Primera, die ebenfalls empfehlenswert sind heißen: Mitsubishi Colt (Auch als Proton aus Malaysia erhältlich), Mazda 323 (Vorsicht Rost!), Honda Civic EG6 (Bisschen Rost, total entspannt als flauschiger Fünftürer, oder als Taschenrakete mit 2 oder 3 Türen), Daihatsu Sirion (günstigerer Yaris-Bruder), Suzuki Swift. Wichtig ist wirklich mit viel Geduld zu suchen. Es gibt, wenn man nicht genau modellfixiert ist eine große Auswahl, und gerade bei solch einfachen Japanern findet man häufig perfekt gewartete Seniorenmobile für sehr wenig Geld.
Will man eine möglichst günstige Basis haben, die aber auch cool sein soll, oder eine gute Tuningbasis bringt, sieht die Sache anders aus. Hier kommen Golf und Astra tatsächlich ins Spiel. Ich selbst habe mit dem Golf 3 angefangen. Dadurch habe ich sehr viel übers Schrauben gelernt. Erstens sind notwendige Inspektionsarbeiten, z.B. mal neue Zündkerzen montieren wirklich spielend einfach. Zweitens sind nichtvorhandene Extras (davon hatte ich am meisten) ziemlich gut nachrüstbar. Allein dadurch gewinnt ein Auto sehr stark. Drittens ist Tuning, falls einen dann echt mal der Hafer sticht auch gut und günstig umsetzbar. Ganz wichtig ist dabei aber: Nichts verschlimmbessern! Das furchtbarste ist es, wenn Jungspunde irgendwelche Zubehörmissbildungen an ihre geschundene Karre spaxen, weil sie sie gerade billig bekommen konnten, oder der Kumpel zufällig noch einen bösen Blick zum Aufkleben da hatte. Eine Faustregel in Fachkreisen sind erst mal die 3 F’s.

Felgen, Fahrwerk, Fertig.

Klar kann das nicht alles sein. Wär ja sonst auch langweilig und meine Umbaumaßnahmen am Golf 3 passen nicht alle auf eine Din A4 Seite. Wichtig ist aber: Denkt euch was, bei allem, was ihr nachrüstet. Macht, was euch gefällt, aber denkt darüber nach. Wenn man Blinker oder Rückleuchten ändern will schön und gut, aber nehmt welche, die am besten zum Stil des Autos passen (auch mal nach originalen Sonderteilen schauen), und wählt nicht den günstigsten Klarglaskram. Greift erst nach allerreiflichster Überlegung zur Mattschwarzdose und nur dann, wenn nicht frisch und sauber in silber lackierte Originalfelgen doch besser aussehen, wenn das Geld nun mal noch nicht für tolle Alus reicht. Dadurch gewinnt das Kfz dann auch deutlich an Persönlichkeit, und es gefällt euch dauerhaft besser. Aber seid auch gewarnt, das ganze geht auch ins Geld. Es war nicht viel Zeit zwischen der ersten, zaghaften 15€ Ebay GTI-Lippe und einem Exklusivbesuch beim Sattler, um die Mittelarmlehne mit feinstem Nappa beziehen zu lassen. Das geht schnell!

Gute Kandidaten, vergleichbar mit dem Golf 3 sind auch: Polo 6N, Astra G, der letzte Audi 80, Ford Focus Mk 1, Renault Clio B. Alle gut, alle können sehr schick werden, alle selbst schraubbar.

Bei Billigautos ist natürlich immer der beste Rat auf einen angemessenen Kaufzustand in der Hauptsache zu achten. Es gibt aber natürlich gerade in dem Preissegment auch einen Haufen Mist, vor dem man sich hüten sollte. z.B. der Ford Fiesta Mk3 (Bj. 89-01)/Ford Ka Mk1. Die sind zurecht derart billig. Sie rosten so schnell, dass es passieren kann, dass man Morgens auf seinem Parkplatz vier Gummireifen um ein Paar Sitze herum findet, und vorne ein Ölfleck bleibt. Oder verschiedene Rover, genau wie so macher frühe Koreaner, die klapprig einfach auseinanderfallen. Hier ist aber nicht zuviel Vorsicht geboten. Was wirklich ein schlechtes Auto ist, ist in dem Alter auch derart schrottig, dass es einem auch als Laie ziemlich schnell auffällt.

 

Darwinismus klappt bei Autos zum Glück ganz vorzüglich. Dadurch bleiben immer mehr schlechte Autos auf der Strecke, sodass man sich leichter tut, gute zu finden.

Ein Interessantes Phänomen ist dabei auch, dass man tendenziell auf den Straßen mehr Autos von ca. 1990 sieht (Mercedes W124, Golf 2, Audi 80…), als welche, die fünf oder zehn Jahre jünger sind. Aber darüber kommt bald ein eigener Artikel.

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