clarkson

Hang in there Mr. Clarkson!

Published On 12. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Benzingespräche

Gestern erreichte mich und eine Menge anderer Petrolheads die Meldung, dass der öffentlich rechtliche Rundfunksender BBC aus England einen der Moderatoren des weltweit beliebten TV Automagazins Top Gear vom Dienst suspendiert hat.

Relativ logisch, dass es sich um Jeremy Clarkson handelt, der nun auf Grund von nicht weiter erläuterten Unstimmigkeiten vorläufig vom Äther genommen wurde. Clarkson dürfte wohl jedermann bekannt sein. Vermutlich hat er seine Berühmtheit aus dem selben Grund überhaupt erlangt, aus dem er nun gesperrt worden ist: Er sagt, was er denkt. Man kann ihn durchaus als Fiesling, Macho, Narzissten, oder was auch immer bezeichnen, aber man mag ihn trotzdem – gerade deswegen.

 

Poweeeeer!

Poweeeeer!

 

Vor laufender Kamera wird er von seinen Kollegen James May und Richard Hammond gelegentlich als „fetter, dummer Affe mittleren Alters“ bezeichnet, und auf seine eher kruden Umgangsformen hingewiesen. Er stellt so etwas, wie den frechen Fiesling vom Schulhof dar, der aber trotzdem von Freunden und Trittbrettfahrern umringt ist. Erst in der vorletzten Folge, die von der nun abgebrochenen Staffel Top Gear noch gesendet worden ist, wird von James May und Clarkson eine Wettfahrt beschlossen, bei der es darum geht aus der Ferne anzureisen, um den auf einem verschneiten Berggipfel ausharrenden Richard Hammond zu retten. Gewettet wird, wer als erstes auf dem Gipfel ankommt. Wer verliert (!) muss ihn schließlich mitnehmen. Als weitere Beispiele für Clarksons Ruf können diese beiden Videos dienen:

 

 

Schnell sollte jedem klar werden, das Clarkson komische Einlagen produziert, in denen er durchaus austeilt und sich selbst als „Axt im Walde“ darstellt und dabei nicht wirklich auf gepflegte Umgangsformen achtet. Auch außerhalb des Automagazins ist er durchaus als Charakterkopf bekannt. Er ist markiger Autor von Zeitungskolumnen, moderiert „männliche“ Geschichtssendungen über Kriegsmanöver, und übt satirische Kritik, an Umweltschützern, Vegetariern, Radfahrern… eigentlich an allem. Satire ist wohl das richtige Wort um Clarksons Programmatik zu beschreiben. Er ist keineswegs ungebildet oder von schlechter Erziehung. Sein jahrzehntelanger Erfolg gibt ihm Recht. Er ist im Stande mit echten Autos die Sau auf die Weise rauszulassen, wie es Kinder mit Spielzeugautos tun. Damit folgt er dem Leitmotiv seiner Sendung. Top Gear hat in den vergangenen 13 Jahren Extreme hervorgebracht, wie:

 

das ballistische Verschießen von Autos auf eine Dartscheibe, weitester Sprung eines Wohnwagengespanns, ein erbittertes Rennen mit Linienbussen, eine Autofahrt bis hin zum Nordpol, die Überquerung des Ärmelkanals in selbstgebauten Amphibienfahrzeugen, sowie hanebüchene „Challenges“ durch allerlei unwirtliche Landschaften.

 

Diese Sendung lebt von ihrem ausgefallenen, merkwürdigen, leicht bescheuerten aber einmalig unterhaltsamen Format. Hier gehört es auch stets zur unnachahmlich britischen Art, dass auch internationale Vorurteile oder Besonderheiten gerne auf die Spitze getrieben werden. So wurde 2007 eines der berühmten „Specials“ in den Südstaaten der USA produziert. Neben einiger Spielerei mit drei alten Autos, bekommen die Moderatoren schließlich von den Produzenten die Aufgabe, die gegnerischen Autos möglichst anstößig zu beschriften, um damit durch den Bundesstaat Alabama zu fahren, und das Aufsehen der Leute dort zu erwecken. Die sprichwörtliche Southern Hospitality wird also ganz bewusst auf die Weise torpediert, die man dort für die meist angefeindete hält. Im Klartext wurden so Countrymusik und Nascar-Rennen diffamiert, und dabei gleichzeitig Homosexualität und die Demokratische Partei (der USA) beworben. Kurze Zeit später wird das Drehteam dann tatsächlich angefeindet, und es wird eine epische Verfolgungsjagd gezeigt, die die Provozierten als wütende Hillbillies darstellt.

 

Was landläufig für gute Unterhaltung sorgte war und ist strenggenommen nichts anderes, als bloße Provokation und die Zurschaustellung deren Folgen. Mit anderen Worten: Die gesamte Sendung ist nicht unbedingt für besonders anständiges Fahren, bzw. politische Korrektheit bekannt. All das ist nun mal Teil des Erfolgsrezepts.

Die Kehrseite der Medaille wurde am Anfang der letzten Staffel von Top Gear klar, als man eine Hommage für den V8 Sportwagen produzieren wollte, die das Moderationstrio durch Patagonien bis auf die Falklandinseln führen sollte. Dort sollte dann in gewohnt verrückter Manier ein Auto-Fußballturnier stattfinden. Vor dem Hintergrund der Falklandkriege in den frühen 80er Jahren, bei denen es um britische Kolonialterritorien ging, sollte dadurch eine gewisse Verbundenheit, Brüderlichkeit, oder was auch immer gezeigt werden.
Das Ganze ging allerdings mit Pauken und Trompeten in die Brüche, als Einheimische das Kennzeichen von Clarksons Porsche 928 GT bemerkten. (H982FKL) In dieses wurde die Zahl 1982 und „Falkland“ hineininterpretiert, und es wurde als undiplomatischer Affron gegen die Bewohner Argentiniens gewertet, mit dem Argument das gerade Top Gear für solche Provokationen berühmt sei. Tatsächlich weist die BBC jedoch diese Vorwürfe ab, und beteuert, dass das Kennzeichen rein zufällig eine solche Ähnlichkeit aufweist, und der Porsche es sein ganzes Autoleben lang trug. Es wurde auf internationaler Ebene manifestiert, dass man es nicht absichtlich so gewählt habe. Bei einem gerade in England so seltenen Auto ist es auch abwegig aus einer breiten Masse ein bestimmtes Kennzeichen auszuwählen. Zum Kaufzeitpunkt standen laut James May nur zwei 928 GT zur Auswahl, wovon der genutzte den besten Zustand aufwies.
Das reicht für mich als Beweis dafür, dass alle Welt Top Gear allgemein mit diesem leicht undiplomatischen Ruf verbindet, und eben nicht nur Clarkson allein. Tatsächlich existiert ein ganzer Wikipediaeintrag nur über die Kontroversen der Sendung.
http://en.wikipedia.org/wiki/Top_Gear_controversies
Ich finde es daher absolut falsch, dass man Jeremy Clarkson derart an der kurzen Leine hält, dass schon eine kleine bisher unbekannte Äußerung ausreicht, um ihn allein zu suspendieren, erst recht vor dem Hintergrund, dass die gesamte Show hier und da mit Zweifeln betrachtet werden kann. Der Popularität tut das keinen Abbruch. Die breite Masse will genau das hören, was Clarkson auf stämmig infantile, manchmal aber auch ganz subtile Art in die Welt posaunt.
  • Zitat: „Poweeeeeeeeeeer!“ (Jeremy Clarkson)

 

 

Dazu hat man mittlerweile eine Petition ins Leben gerufen, die frenetisch unterschrieben wird und die die Wiederkehr Clarksons fordert. Mein Name steht drauf.
https://www.change.org/p/bbc-reinstate-jeremy-clarkson

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