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Fahrbericht: Mini One (Update 2016, Mini Cooper)

Published On 12. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Frisch getestet

Im Jahr 2001 kam erstmals unter der Führung von BMW der neue Mini auf den Markt. Ähnlich wie beim New Beetle von VW hieß das Ding anfänglich „New Mini“. Ergo müssten wir es bei der letztes Jahr erschienenen aktuellen Version mit dem „New New New Mini“ zu tun haben. Da das aber doof klingt bleiben wir bei Mini, oder allenfalls beim BMW-Internen Code F56. Das ist das, was bei BMW früher die E-Nummer war (e30, e36, usw).

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Ich durfte ihn in den letzten Monaten immer mal wieder für längere Zeit fahren, stets als 102PS Basisversion, die dann noch nach unten ergänzt wurde mit gleichem Motor, und nur 75 PS.

Was mir als erstes auffiel… sage ich später.

 

Update: Dieser Fahrbericht liegt nun schon einige Zeit zurück. Nun, im Sommer 2016 fuhr ich einen Tag lang den Cooper mit 136PS und recht vielen Extras.

 

Motor und Fahrwerk

Was mir als zweites auffiel, als ich fuhr: Der Motor! Die Leistungssteigerung von 98 PS beim bisherigen Mini One zu den jetzt aktuellen 102 PS ist auf dem Papier fast nichts bedeutend. Was viel mehr erstaunt ist das Drehmoment und vor allem die Tatsache, dass der kleine Kollege nur noch mit drei statt vier Zylindern zu Werke geht. Das Ding geht ab wie sonst kein kleiner Konkurrent. Dabei klingt er noch nicht mal so schlecht, wie man vielleicht meint. Die mittlerweile bei BMW typischen „Furzklappen“, die bei Lastwechseln ein leichtes Brabbeln ins Endrohr schicken tun ihr übriges. Es macht Spaß. Wirklich wahr! Ziemlich enorm fand ich auch den Verbrauch. Bei schmerzvollem Sparen habe ich 4,5 Liter geschafft, wo er sich normalerweise bei 5,0 einpendelt. Und das bei einem Benziner, der obendrein wirklich kein übermäßig langsames Auto ist. Also der Motor ist zwar nur so groß, wie ’ne Milchtüte, aber ansonsten: Weltklasse!

Update: Der Cooper verfügt über 1,5L, statt 1,0L Hubraum, sowie eine Nockenwellenverstellung. Damit liegt das maximale Drehmoment schon bei 1250 U/min an. Bei größeren Diesel-PKW freut man sich meist über das früh einsetzende Drehmoment. Hier allerdings in Kombination mit einer höchst synthetisch abgestimmten Gasannahme fühlt sich der Wagen zunächst an, als könne er vor Kraft nicht laufen, verweigert dann aber bei höheren Drehzahlen gefühlt komplett die Leistung. Das fühlt sich so an, als würde man bei einem LKW die Gänge zu lang drin lassen. „Zu lang“ bedeutet aber hier maximal 3000 Umdrehungen. Da soll doch das „Go-Kart Fahrgefühl“ aus dem Mini-Claim erst anfangen!

Mich jedenfalls hat ein Opel Kadett E mit 1,4er Motor an der Ampel stehen lassen. Gut, dass ich kein Minikäufer bin. Ich hätte das Teil auf der Stelle dem Händler zurückgegeben. Mit dieser von Enttäuschung geprägt ständig arythmisch ausgequetschten Leistung – und Klimaanlage, da bin ich ehrlich – gelang mir ein kombinierter Verbrauch von rund 7,4 Litern. Kein Vergleich zum Einliter im Mini One.

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Bleiben wir mal technisch. Direkt nach dem Motor kommt was Wichtigkeit angeht natürlich das Fahrwerk dran. Das ist beim F56 so ’ne Sache. Man kann nicht sagen, es sei besser oder schlechter geworden. Sicher ist: Wir bewegen uns hier auf sehr hohem Niveau. Daran hat sich nichts geändert. Das Fahrwerk vom Vorgänger R56 war schon in banaler Serienausstattung ein Traum. Das Ding war so straff und direkt, dass man ihn mit egal wie viel Schmackes in jede Kurve werfen konnte, und beim Gaswegnehmen sogar das Heck rumkam. Er war höchstens etwas Kopflastig, was aber aufgrund der hohen Drehmomente, die schon der R56 lieferte garnicht so schlecht war. Insbesondere war jede Form von Grip immer sehr erwünscht, da die serienmäßigen Schallplattenrädchen viel zu schmal waren für’s sportliche Fahren. Da ist der kurvenäußere Vorderreifen schon ins Rutschen gekommen, noch bevor überhaupt der Hauch einer Federbewegung kam.

 

Genau da setzt jetzt der neue (mit Dreizylinder) an. BMW wäre nicht BMW, wenn das Fahrwerk ein Rückschritt geworden wäre. Trotzdem haben sie es etwas vornehmer gedämpft. Bei gleichem Ansprechverhalten der Federn arbeiten die Dämpfer einfach etwas komfortabler und feiner. Querfugen und Schlaglöchlein werden souveräner geschluckt, wo der Vorgänger doch eher durchpurzelte. Lenkabstimmung und Gierverhalten sind immernoch sehr sehr fein, auch wenn die Lenkung leider etwas leichtgängiger wurde, und an Feingefühl einbüßte. Was aber auffällt, ist dass die angesprochene Kopflastigkeit fehlt, weil das neue kleine Motörchen viel leichter ist. Dadurch geht ein gutes Stück vom typisch kartmäßigen Verhalten flöten. Das Fahrwerk ist immernoch sehr, sehr exakt und spurtreu, (nicht mehr Spurtreu im Cooper) verträgt sogar etwas höhere Kurvengeschwindigkeiten auf allen Vieren, und auch der Heckschwenk kommt immernoch da, wo man ihn braucht. Allerdings fehlt vorne der klotzig antreibende „Triebkopf“, der einen Mini immer ein Wenig zur Kanonenkugel machte. Erwachsener, und faktisch besser ist das Fahrwerk geworden. Leider aber wirklich nicht spaßiger. Schade!

 

Update: Die langen Federwege haben dem Auto mit serienmäßigen Stahlrädern mit genug Reifenquerschnitt gut getan. Das steht da oben, das stimmt auch noch. Der „straffere“ Cooper mit seinen vielen Extras und den breiten 17-Zoll Niederquerschnittsrädern fährt dagegen ganz fürchterlich. Damit meine ich nicht, dass das Fahrwerk zu hart sei, sondern viel mehr ein chronisches Leiden vieler moderner Kleinwagen, wie z.B. dem abgelösten Opel Corsa. Die Autos sind nicht zwingend zu hart gefedert, aber komplett überdämpft. Will sagen: Die Räder rumpeln nicht Schlagartig ins Auto, sondern schubsen mit jeder Bodenwelle das stark gedämpfte Auto nach oben. So hoppelt man sanft, aber nachhaltig durch die Lande. Die Lenkung ist zwar ausgesprochen direkt, funktioniert aber gerade im völlig hirnrissigen Sportmodus gänzlich ohne Feedback, sodass es auch gestandenen Fahrern nicht gelingt, mit dem Wagen z.B. auf einer Schnellstraße einfach nur geradeaus zu fahren.

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Innenraum

Ein großes Argument für den F56 ist vor allem das Erwachsenwerden im Innenraum. Der hat merkwürdigerweise wirklich überall ein spürbares Stück mehr Platz. Merkwürdig deswegen, weil man bisher im Mini noch relativ nah an der Frontscheibe saß, und angenehm nah am Geschehen war. Jetzt ist erstmal gefühlt ein halber Kilometer Armaturenbrett im Weg, ehe die nach, wie vor recht steile Scheibe anfängt. Was das noch bewirkt, dazu komme ich in meiner Außenbewertung. Glücklicherweise ist es heutzutage auch als wirklich großer Mensch in den meisten Autos gut möglich, gescheit zu sitzen – so auch im Mini. Hier und (dickes Lob!) bei allen anderen BMW Produkten auch, kann man sogar noch mit etwas über zwei Metern das Lenkrad so angenehm positionieren, dass die Arme tatsächlich leicht angewinkelt sind. Man muss nicht, wenn man den Sitz in Richtung Hinten schiebt, die Arme affenmäßig ganz ausstrecken. Das ist viel wert. Beim Mini ergibt das, und die Tiefen des Armaturenbrettes allerdings ein Fahrgefühl, wie im DTM Auto, wo der Pilot da sitzt, wo normalerweise schon die Rückbank anfängt. Etwas merkwürdig als Fahrposition, aber man gewöhnt sich daran, dass man gefühlt sehr viel Auto vor sich herschiebt. Noch ein Lob: Der Tacho. Was haben sich bei den Vorgängern alle immer drüber aufgeregt, dass der Tacho verspielt und unübersichtlich in der Mitte des Armaturenbretts sitzt. Da ist jetzt ganz normal ein gut bedienbares Radio, ein paar Schalter und ein mysteriöser Leuchtring. Dieser Ring täuscht die alte, spielerische Zentraltachooptik vor, hat aber nichts mehr damit zu tun. Er ist in Wirklichkeit ein intelligent gesteuerter Ambientelichtring. Dreht man zum Beispiel an der Lüftung, oder an der Radiolautstärke, erscheinen hier mit weichen Bewegungen angedeutet Skalen die sowas wie den aktuellen Pegelstand anzeigen. Im Normalfall, sofern aktiviert, simuliert der Leuchtring aber den Drehzahlmesser inklusive rotem Bereich. Das sieht ziemlich cool aus, ist wirklich nett zu haben, aber noch nicht alles. Das New-Mini-typische Kombiinstrument auf der Lenksäule blieb trotzdem. Früher war hier nur ein Drehzahlmesser mit einem Fensterchen für die digital angezeigte Geschwindigkeit. Nun gibt es hier einen ganz normalen Tacho inklusive angeflanschtem Drehzahlmesser. Leidlich ablesbar, aber voll im Blickfeld. Daumen hoch also. 

 

Update: Ich habe ja Verständnis, dass Mütter ihre Kinder anschnallen müssen, zumal das heutzutage scheinbar ohnehin immer seltener vorkommt. Daher bin ich auch nicht so gestrig gestimmt, dass ich die Erfindung des Viertürers im Allgemeinen für Mummenschanz halte. Aber liebe Leute: Lasst doch den Mini Mini sein. Mein 2016er Cooper war leider Gottes ein Viertürer. Durch die laaaange Frontpartie und das noch lääääängere Armaturenbrett ist die Mini Fahrgastzelle ohnehin schon sehr kurz und weit nach hinten gerückt. So wirken die vier klappen, die als Karosseriedurchstieg gedacht zu sein scheinen einfach absurd. Wenn die Fahrerposition auf mich eingestellt ist und ich das Lenkrad angenehm nah an mich heranziehen kann, muss ich beim Einsteigen mit dem Hintern schon genau zielen, um reibungslos zwischen Lenkrad und B-Säule durchzupassen. Natürlich ist kaum jemand zu groß wie ich, aber gegenüber der allgemein guten Ergonomie des Dreitürers ist das doch ein großer Rückschritt.

 

 

 

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Außen

Jetzt hab ich ja bisher noch nix zur Außenseite des F56 gesagt, außer dass sich die schräge Windschutzscheibe bemerkbar macht. Stellen wir uns einen alten Mini mal vor, und ziehen die Scheibe an der Unterkante nach vorn, um sie schräger zu stellen. Logischerweise wird dadurch dann die eigentliche Motorhaube kürzer. Klar soweit?

Das sieht natürlich doof aus, und muss vom Designer irgendwie umschifft werden. Da hat man sich’s offenbar einfach gemacht, und die ganze Front eben auch nach vorn, sprich in die Länge gezogen. Das Resultat ist eine derart albern lange Nase, dass man meint, das Auto kippt nach vorn über mit seinem riesigen Überhang. Das ist stilistisch ganz fragwürdig gelöst, und sticht für meinen Geschmack sehr negativ aus der breiten Masse hervor. Auch die Scheinwerfer sind so mitgezogen, dass sie zur „Nase“ beitragen. Das wäre sicher noch irgendwie anders gegangen. Die Proportionen des gesamten Vorderwagens sind so also ziemlich missraten. Seitlich kann man beim Mini ansonsten seit den Zeiten des Urschöpfers Alec Issigonis nicht viel verkehrt machen.

 

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Das Heck wiederum stößt auch auf, wie vergorenes Bier. Es wirkt, als ob man eine billige chinesische Mini-Kopie zum Vorbild genommen hätte. Schon immer, also auch beim 50er Jahre Mini waren die Rückleuchten einzeln eingefasst abgetrennt von der Heckklappe. Bei jeder bisherigen Generation wurde sofort jedem klar: „Jou, so sieht Mini aus.“

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Und nun? Dicke, viel zu große, legoartige Leuchtklötze direkt an den Kanten der Heckklappe. Scheinbar wurde dieser kleine Blechstreifen als wichtiges Stilelement einfach vergessen. Vielleicht war man betrunken?

 

Update: Wo der Cooper ansonsten zumindest ein wenig besser aussieht mit seinen Rennstreifen und den recht hübschen Alurädern, hat Mini mit dem Viertürer noch einen draufgesetzt, und die Optik à la Playmobilimitat aus Fernost noch weiter ad Absurdum geführt. Die man stelle sich die vier Türchen mal in abgebautem Zustand vor. Hier stellt man fest, dass sie deutlich länger, als hoch zu sein scheinen. So könnten sie proportional eher einem Sprinter dienen, sind dafür aber natürlich viel zu klein. Nicht so: die Türgriffe. Sie nehmen grob geschätzt etwa 50% der Türlänge ein und sind von geradezu absurder Größe. Durch diese merkwürdige Form wirkt die kurze Fahrgastzelle im Vergleich zu besagt laaaaanger Nase noch zerknautschter. So fällt auch auf, wie hilflos sich die verzerrte A-Säule sich bemüht, die Fläche des enormen Armaturenträgers zumindest äußerlich zu kaschieren.

 

Fazit

Dazu kommt natürlich noch die Tatsache: Kann ein Auto, dass ein Remake vom Remake vom Remake ist noch wirklich cool sein? Lassen wir den klassischen Mini mal außen vor, hatten beide New Minis an sich irgendwie noch was knackig sportliches. Alle hatten sie in egal welcher Optik immer einen gewissen Reiz an sich und waren eben Spaßgeräte, die halt ein wenig unpraktisch waren. Macht nix. Nun hat man den Mini umgekrempelt. Alles ist ein wenig vernünftiger geworden, sicher auch günstiger herstellbar, Komfort und Platzangebot haben sich verbessert. Der Mini ist (als dreitüriger One ohne Fahrmodusschalter und großen Rädern) ohne Frage ein sehr gutes und auch erwachsenes Auto geworden. Aber auch eins das man haben will?

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Klar fährt er (als One…) wirklich toll, aber hinter dem Lenkrad schaut man doch immer vorne raus und blickt auf diese merkwürdige Nase. Der Mini ist nicht mehr so liebenswert wie vorher. Es fehlt ihm was. Und von der Eloquenz und technisch nüchternem Form-Folgt-Funktion Design ist er immernoch meilenweit entfernt. So wirkt er wie ein frühreifes Kind. In Gedanken vielleicht schon fast erwachsen, äußerlich aber noch ein Kind, das aus seinen Kleidern herausgewachsen ist. Meine Meinung: Lieber nicht kaufen.

 

Update: Mehr denn je, wirkt das ganze Auto als viertüriger Cooper, als sei es nach Kindchenschema F und dem Vorbild japanischer Zeichentrickserien gestaltet worden. Jeder halbwegs auf Nützlichkeit bedachte Ingenieur, geschweige denn Sir Alec Issigonis würde beim Anblick dieses Coopers schwer zaudern.

Emotionen im Autobau sind wichtig und richtig. Dieser Mini ist emotional allerdings derart aufgedreht, wie der bekloppte Frosch aus dem Jamba Sparabo (die Älteren werden sich erinnern). So wirkt er unglaubhaft, und ist als Transportmittel kaum ernstzunehmend.

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