Londoner Fahrradspitzel

Published On 10. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Benzingespräche, Gedanken vom Fahrersitz

Bei meinem täglichen Besuch auf Spiegel Online bin ich heute auf ein Video gestoßen, was an Ignoranz kaum zu überbieten ist:

http://www.spiegel.tv/filme/fahrrad-sheriff-london/

Es zeigt genau, was ich meinte, als ich in meinem Artikel über die Probleme auf Autobahnen (https://autonormalverbraucher.wordpress.com/2015/03/09/wir-fahrn-fahrn-fahrn-auf-der-autobahn) ansprach, dass man nicht jeden einzelnen der zahlreichen Deppen mit zweifelhaften Methoden festhalten sollte, sondern eher den gesunden Menschenverstand fördern müsste.

Letzterer scheint dem Londoner Dave Sherry auf seinem Fahrrad gänzlich zu fehlen. Zuerst ist mir aufgefallen, dass er entzückende Hupen an seinem Lenker befestigt hat, mit denen er wohl ständig Laut gibt, wenn ihm irgendetwas nicht passt. Das ist auch sein gutes Recht, deutet aber auch auf ein gewisses Maß an Lächerlichkeit hin, wenn man bedenkt, dass der Kollege mit der sportlichen Brille so lange durch die Innenstadt irrt, bis er etwas findet, worüber er sich aufregen kann. Es geht darüber hinaus auch um London, eine der belebtesten Metropolen Europas und Dave wundert sich, dass da mal ab und zu was schiefgeht.

Natürlich kann und darf man sich darüber aufregen, wenn man mit dem Fahrrad beinahe über den Haufen gefahren wird. Wer aber kreuz und quer hinter roten Ampeln herhuscht, um Taxifahrern zu verbieten eine Kleinigkeit zu essen, ist für mein Dafürhalten ein kleinlicher, eingebildeter, neugieriger Ignorant, der für seinen eigenen Nervenkitzel anderen Leuten das Leben schwermacht. Wen kümmert es, ob mein Auto ein Paar Zentimeter vor der Haltelinie steht;

– und wie würde ich selbst wohl darauf reagieren, wenn man mich in dem Ton darauf anspricht??

In der Szene, wo es um irgendwelche Gesten mit der Hand geht, halte ich das Verhalten des Stasiradlers sogar für Nötigung. Wer bitte verbietet denn anderen Verkehrsteilnehmern das Gestikulieren? Vor allem muss man Kleinigkeiten wie diese auch mal ertragen können und wenn man so oft wie Dave von Fingerzeigen betroffen ist, sollte man sich vielleicht auch Gedanken darüber machen, warum das so ist.

Auch dieses ganze Gehabe mit den Warnwesten und dem ständigen Konfrontationskurs erscheint mir eher armselig. Warum drückt man denn so enervierend auf die Tränendrüse, wenn man sich freiwillig per Fahrrad in die hochfrequentierte Innenstadt einer Metropole stürzt? Vor allem: sind das dann auch die Radler die nicht auf Bürgersteigen Kinder und Hunde umnieten? Sind das die, die in Fußgängerzonen brav schieben? Sind das die, die auch auf dem Fahrrad bei Rot anhalten und nie betrunken aufs Rad steigen? Da bin ich mir nicht so sicher.

 

Der Straßenverkehr ist, wie die nette ältere Dame in Pink richtig feststellt, eine Demokratie. Man muss unbedingt auf alle Rücksicht nehmen, damit alles rund läuft. Wer sich aber selbst in Gefahr begibt, um in der Schusslinie zu stehen, und andere zu maßregeln, der hat das mit der Demokratie nicht ganz kapiert.

Like this Article? Share it!

About The Author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *