fahrschule

Fahrschule und was dabei rauskommt

Published On 9. März 2015 | By derautonormalverbraucher | Gedanken vom Fahrersitz

Fahrschule

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Und ohne Fahranfänger wäre es auf unseren Straßen deutlich lichter. Gleichzeitig finden sich kaum vielfältigere Soziotope, als Fahrschulen. Hier trifft man alles und jeden an.
Abgesehen von manchen Ausnahmen ist der Zeitpunkt des Führerscheinerwerbs meistens irgendwo zwischen 16,5 und 18 Jahren. Sie kommen ersteinmal in die Theorieübungsräume der Schulen. Die sind alle ziemlich ähnlich und beinhalten hauptsächlich Stühle und ein paar informative Tafeln. Hier werden dann unter ständiger Korrektur die gefühlt 1000 verschiedenen Theoriebögen durchgearbeitet. Im Anschluss wird dann (im besten Fall) als Frontalunterricht ein bestimmtes Thema vom Lehrpersonal unterrichtet. In diesen Theoriesitzungen finden sich schon die ersten Unterschiede zwischen den Schülern, die sich noch lange in die Autofahrkarriere ziehen werden. Die einen lassen die Theorie über sich ergehen, grübeln ein wenig über Vorfahrtsregeln und warten eigentlich nur bis das notwendige Übel vorbeigeht, weil ihnen vieles ohnehin schon ganz klar ist. Sie können es nicht erwarten endlich den Schein in Händen zu halten.
Dann gibt es die, für die der Führerschein zwar notwendig ist, aber durchaus eine echte Herausforderung darstellt. Sie bringen dem Ganzen zwar etwas mehr Respekt entgegen, aber in manchen Fällen auch ein bisschen Angst. Mit fortschreitender Fahrschulkarriere naht dann die Praxisausbildung. Hier bekommen die einen Schläge hinter die Ohren, weil sie bereits hier und da zu schnell unterwegs sind, und die anderen verbrauchen Stunde um Stunde um das abwürgfreie Anfahren auf die Reihe zu bekommen. Mangelndes technisches Verständnis ist da ebenso ein negativer Einfluss, wie die Angst vor der Materie, die vielen schon ins Gesicht geschrieben steht. Das ist ein echtes Problem. Um in ihrer Fahrschule einen bestimmten Durchsatz zu erreichen, arbeiten viele Fahrlehrer so, dass in der Prüfung zum Schluss zwar irgendwann jeder Stichpunkt gerade so erfüllt werden kann, lassen dabei aber wichtige Einflüsse über die Fahrpraxis ganz weg. Man erkennt ihre Problemschüler daran, dass sie in beinahe gefährlich nahem Abstand hinter dem Lenkrad klemmen und dieses im Schneckentempo mit ganz kurzen Handgriffen bewegen. Solange man unfallfrei durch die Prüfung kommt, reicht das zum Führerscheinerwerb. Was aber, wenn der- oder diejenige später im eigenen Auto einmal eine schnelle Reaktion ausführen muss, aber völlig falsch reagiert, weil keinerlei Wissen über die Dynamik des Fahrzeuges vorhanden ist?
Diese Fahrleger besänftigen die Angst ihrer Schüler vor unerwarteten Reaktionen des Autos nicht, sondern halten sie einfach davon fern. Eine Bekannte von mir hat selbst erklärt Angst vor dem Rückwärtsfahren. Jedes Rangiermanöver wird entweder garbnicht, oder eben vorwärts ausgeführt, was sie letztenendes in noch mehr Stress bringt, weil es natürlich ungleich schwieriger ist. Ich habe sie dann gefragt, woher das kommt. Ihre Antwort war, dass sie ja das Auto nicht richtig kontrollieren kann, wenn sie beim Zurücksetzen nicht alles sieht und auch, dass das schon in der Fahrschule so war.
Wie kann man nur jemanden mit derartigen Scheuklappen auf den Straßenverkehr loslassen. Theoretisch hat man ihr somit auch gar nicht erklärt, was die Außenspiegel zeigen, oder wie gewisse Rangierabläufe funktionieren. Selbst wenn es dem Schüler schwerfällt, muss es doch die Pflicht des Fahrlehrers sein, ihn für alles Mögliche zu wappnen, selbst wenn man erst einmal mit lenkbaren Modellautos üben muss. Klingt albern, schafft aber zumindest einen gewissen Plan über das, was am Ende beim Parken so abläuft. Wenn man sich seine Lenkbewegungen bildlich aus der Vogelperspektive vorstellen kann, erfordert es nur ein Mindestmaß an Intelligenz des Fahrers, ein Manöver zumindest im Kopf zu Ende zu bringen. Ist das erst einmal verinnerlicht, muss an der eigentlichen Fahrpraxis zum Schluss nur noch gefeilt werden.
Noch gefährlicher ist es für die, die sich unsicher sind, wenn im „Schnell-Schnell“ Lernprogramm die meiste Zeit für das Nichtabwürgen, oder das Sitzeinstellen verplempert wird, und sie z.B. nie über das Verhalten auf Autobahnen aufgeklärt werden. Auf der Straße kann man die Folgen desaströs oft beobachten. Der Beschleunigungsstreifen wird mit unzureichender Geschwindigkeit befahren und so schnell, wie möglich in Richtung Autobahn verlassen, oft noch durch Bremseinsatz. Eine einigermaßen angemessene, sichere Geschwindigkeit wird dann erst dort hergestellt. Rollt die Fuhre dann, wird bald die mittlere Spur gewählt und nicht mehr verlassen, weil man sich auf ihr ja offenbar um nix kümmern muss. Auch die beängstigenden Rückspiegel werden dann getrost vergessen.
Kommt euch das bekannt vor? Passiert das nicht erschreckend oft?

Solange also die Vorgaben für Fahrschulen nicht dahingehend vertieft werden, liebe Fahrlehrer: Macht euren Job bitte gründlich. Schließlich werdet ihr dafür bezahlt!
Ich selbst war in der Fahrschule ein etwas großkotziger 16-Jähriger, der eigentlich schon alles mindestens besser wusste. Tatsächlich hat mich das Bewegen des Autos nie vor ein Problem gestellt. Verkehrsregeln musste ich trotzdem lernen. Außerdem wurde mir mit viel Geduld und auf verständliche Art die Verantwortung klargemacht, die man als Autofahrer trägt. Diese Theoriebögen mit den Bällen und den Kindern zwischen parkenden Autos am Straßenrand sind nicht so weit hergeholt. Und ich bin sehr dankbar, dass man mir das klargemacht hat, als ich mich mal wieder fragte, ob man nicht doch etwas schneller fahren könnte. Denn fehlt dieser Einfluss, endet der Fahrer im anderen Extrem und wird zum kopflosen Raser. Trifft der dann auf der Autobahn ohne Sicherheitsabstand, oder vorplanendes Denken auf den übervorsichtigen, der plötzlich bremst, nur weil der LKW neben ihm anfängt zu blinken, endet das im Desaster. Es liegt bei den Fahrschulen (und am gesunden Menschenverstand) das zu verhindern. Die dazugehörende Verbreitung von Fahrtrainings durch den ADAC halte ich für vorbildlich. An dieser Stelle eine freundliche (Freiwillige!) Werbung zur Homepage meiner damaligen Fahrschule tief im Westen Nordrhein-Westfalens.

Sehr zu empfehlen:

www.fahrschule-fiss.de

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