Von verflossener Liebe. Mein Golf 3 Cabrio

Published On 6. Februar 2015 | By derautonormalverbraucher | Frisch getestet, Gedanken vom Fahrersitz

Diesen Artikel widme ich meinem ersten Auto.

Mein Golf im Sommer 2011

Mein Golf im Sommer 2011

Es geht um ein Golf 3 Cabrio, Baujahr 93. Ein 1,8er AAM mit 75 PS und fast garkeiner Ausstattung. Ab Werk kam er mit genau drei Extras:

Perleffektlack in Aquablau, Radio Beta mit 4 Lautsprechern und ABS. Er hatte keine Zentralverriegelung, keine Fensterheber und sonst auch nichts, was irgendwie nett gewesen wäre. Immerhin hatte er schon vor mir ein angenehmes Autoleben in stets älterer Damenhand. Eine dieser Damen wurde dann irgendwann 2005 zu alt und gab ihn in benutztem, aber gepflegtem Zustand bei einem dieser Kiesplatz-Verbrauchtwagenhändler, auch Fähnchenhändler genannt in Viersen ab.

So kam er in mein Leben.

Mein Bruder suchte gerade mal wieder etwas fahrbares, was auch ein bisschen schön sein sollte und im Alltag neben seinem Pendlerdiesel laufen sollte. Der Golf stand beim Kauf auf 14-Zölligen Exip Alufelgen, die ihm wohl in seinen ersten Jahren, als totschickes Accessoire spendiert worden waren und an ihm hing ein etwas löchrig gewordener originaler Auspuff. Hier kamen die ersten Maßnahmen, die ihn noch lange begleiten sollen. Wunderschöne Alus von Borbet, etwas größer und schön breit mit Sommerreifen und ein Edelstahlendtopf, der in seiner ersten etwas laienhaften Montageform auch etwas seltsam klang.

So vergingen die ersten Jahre als beliebtes Familienmitglied. Seine Neigung zu älteren Damen kam eines Tages noch ein letztes Mal ans Licht, als ihn jemand fuhr, der spontan eine solche Dame von ihrem Fahrrad holte, und spontan auf verformende Art und Weise auf seine Motorhaube bugsierte.

Dann war es endlich soweit. Im Jahr 2008 bekam ich meinen Führerschein und übernahm den Golf von meinem Bruder.

Hier begann eine wirkliche Liebesbeziehung. Ich war immer für mein Auto da, und mein Auto immer für mich. Ich habe sehr viel Zeit und Geld reingesteckt, um ihn immer schöner zu gestalten. Dabei habe ich ihn aber als Originalitätsfanatiker nie um sein eigentliches Aussehen beraubt. Er wurde tiefergelegt und bekam vollständige GTI Optik, aber trug nie ein Karosserieteil, was nicht auch original war, oder hätte gewesen sein können. Meine Verbesserungen waren stets im Detail zu finden. So hielt eine komplette Lederausstattung einzug, und auch eine komplett selbstgemachte Ambientebeleuchtungsanlage, natürlich in originaler Innenraumlichtfarbe. Obligatorisch kam natürlich auch eine recht ordentliche Soundanlage.

Dazu hier ein Link auf meine Forumsseite im Golf 3 Forum, in dem jede Veränderung mit vielen Fotos beschrieben wird.

http://www.golf3forum.de/thread.php?threadid=91037&hilight=Blaubeerk%F6rbchen&hilightuser=0&page=1

In einer Wochenendaktion mit meinem besten Freund habe ich zum Beispiel alltägliche Dinge, wie Elektrische Fensterheber und Spiegel nachgerüstet. Eine Riesenaktion.

Fensterhebereinbau im Cabrio

Fensterhebereinbau im Cabrio

Solche Arbeiten waren es aber, die die Bindung zwischen einem selbst und seinem Fahrzeug stark machen und aufrechterhalten.

Viele Stunden sind so ins Land gegangen, und viele Flüche wurden ausgesprochen. Aber nicht nur solche Bindungen wachsen, sondern auch Freundschaften. So hatte ich das Glück, dass mein bester Freund zur selben Zeit, wie ich auch Golf 3 fuhr. Spaß und Arbeit wuchsen so immer mehr zusammen.

Und wer kann schon von sich behaupten, jeden Tag mit seinem Hobby in die Uni zu fahren?? Es war eine unheimlich schöne Zeit.

2 beim Golfspielen

2 beim Golfspielen

Irgendwann bin ich aus Nordrhein Westfalen nach Fürth in Mittelfranken umgezogen. Was zuhause bleibt sind Freunde und Familie. Was mitkommt sind sperrige Gegenstände und eine Menge Gepäck. Beides hat mein Cabrio unzählige Male auf dem 500km langen Abschnitt der A3 verbunden. Der einzige Zwischenfall, den wir hatten war allein auf meinem Mist gewachsen. Nachdem ich das Motoröl gewechselt hatte, war ich etwas ungeschickt beim Einfüllen des neuen Öles und tropfte wohl einen guten Schluck daneben, der dann prompt auf dem Auspuffkrümmer landete. Bei der ersten Fahrt schlug also schwarzer Rauch aus der Motorhaube, und während ich zum Feuerlöscher im Kofferraum rannte, dachte ich schon daran, dass das jetzt das Aus sein könnte. Glücklicherweise war das Öl dann aber ziemlich schnell verraucht, und alles war wieder gut. Ein Moment, den wirklich niemand erleben will.

Irgendwann waren die Stoßdämpfer bei ca. 130.000km ziemlich weich geworden. Das war die Gelegenheit für mich zu investieren. Ein geniales Fahrwerk bestehend aus Sportfedern von AP-Motorsport, sowie Sachs-Performance Dämpfern zog ein. Das Fahrverhalten war über jeden zweifel erhaben. Und in engen Landstraßenkurven war ich oft schneller, als Autos die dreimal soviel Leistung, wie meine 75 PS hatten. Ein Traum! Leider war dies auch der Anfang vom Ende.

Wer ‚A‘ sagt, muss auch das Geld haben, um ‚B‘ sagen zu können.

Das Auto war inzwischen 17 Jahre alt, und so auch die meisten Fahrwerksbuchsen. Das straffere Fahrwerk begünstigte natürlich noch deren Alterungsprozess. Sie hätten also bald ausgetauscht werden müssen. Das kostet Geld. Genauso der Verbrauch des 1,8ers auf meinen immer wachsenden Kilometerleistungen. Der Motor hat einen tollen Charakter, ist aber auch recht trinkfest. Auch das Verdeck hätte nun schon zum zweiten Mal den Sattler sehen müssen. Außerdem war es bei hohen Geschwindigkeiten ziemlich Laut. Fahrwerk und Auspuff  sind an sich toll, nur nerven sie nach 4-500km beide etwas.

Man könnte also sagen, dass sich meine Interessen und Bedürfnisse an ein Fahrzeug verändert haben. Ich begann danach mir einen sparsamen günstigen Diesel, schwäbischer Bauart zu suchen. Natürlich wollte ich den Golf immer behalten und irgendwie einmotten und wegstellen. Leider fehlt mir dazu das Geld.

Dann kam eines dieser Angebote im Leben, dass man nicht abschlagen kann, und verhalf mir zu einer wunderschönen E-Klasse. Gleichzeitig hat sich ein Führerscheinneuling derart für meinen Golf begeistert, dass ich ihn mit gutem Gewissen gehen lassen konnte. Das war das lachende Auge.

Das weinende bleibt.

Waschen 2012

Waschen 2012

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