Der Eispanzer bricht. Am Chevy Spark

Vorurteile mit Nachdruck

Published On 16. März 2013 | By derautonormalverbraucher | Benzingespräche, Gedanken vom Fahrersitz

Als anständiger Spaßautofahrer hat man so seine Vorurteile… oder auch eingeschliffene Gewohnheiten. Wenn man auf einer kurvigen Landstraße plötzlich einen Zafira mit einer Horde Kindern im Innenraum vor sich hat, dann weiß man intuitiv: Der Spaß ist vorbei. Gleiches gilt für augenscheinlich artgerecht gelenkte Rentnerfahrzeuge, oder eben auch bei koreanischen Verkaufs-Fahrgeräten.

Natürlich sprechen wir hier von Vorurteilen. Überall bestimmen Ausnahmen schließlich die Regel. Ein 5er aus Rentnerhand kann auch schon mal sein Potential ausspielen, wenn Oma es gerade eilig hat. Genauso kann es passieren, dass sich jemand ab und zu mit dem Familieneinkaufswagen austobt.

Trotzdem nimmt man die Koreavertreter weit weniger ernst, als jemanden in einem „kompetitiven“ Auto, der dieses vielleicht sogar zügig bewegt. Da fühlt man sich schon viel eher herausgefordert.

Woher kommt das?

Ich gebe da in gewisser Weise Jeremy Clarkson recht. Der hat die Theorie, dass in schlechten Autos auch automatisch schlechte Fahrer sitzen. Wenn einem völlig egal ist, womit man durch die Lande fährt, legt man auch wenig Wert darauf, wie man fährt.

Machen wir uns nichts vor, meistens stimmt das auch. Dann geschieht gelegentlich auch das unvermeidliche. Da der Mensch bequem ist, gibt es ab und zu Leute, die tatsächlich anfangen, dinge wie Hyundais gut zu finden, weil sie sie eben besitzen. Womöglich gehören diese auch zum Völkerstamm der Bedarfstuner, die Zubehörteile verbauen, weil sie eben günstig und leicht zu bekommen sind ohne auf Funktion oder Stil zu achten. Aber dazu später mehr…

Es soll doch jeder Spaß haben, woran er will!! Meine Güte…

Klar. Aber wenn man bedenkt, dass man für viel weniger Geld so viel hochwertigere Fahrzeuge kaufen kann, als die die nur auf Massentauglichkeit und Kommerz zusammengeschustert werden, und wie dämlich die Entscheidung zum Koreaner für Leute, die tatsächlich ein hochwertig entwickeltes Auto fahren wollen ist, dann tut’s weh, und man will sich garnicht erst drauf einlassen, wenn man von sowas hinten bedrängt wird.

Deshalb sind Leute die bei Wertautos nur nach Europa oder Japan schauen weder engstirnig, noch voreingenommen.

Die Praxis der Benutzung entscheidet über den Wert eines Autos.

Und hier liegt die Kurve, die ich in diesem Artikel kriegen muss, um nicht gänzlich als Fahrzeugrassist dazustehen.

Das mit der Praxis bezieht sich auf die Auffälligkeit der Fahrzeugauswahl in den jeweiligen Nutzungsbereichen. Vor vorstädtischen Baumärkten steht niemand und belädt kleine Sportwagen. Das ist die Domäne von Touran, T-Modell und Co. Und in der Stadt sieht man auf Supermarktparkplätzen oft Kleinstkarren à la Toyota Aygo oder Chevy Spark. Leute die billig fahren wollen, wenig Platz haben und hier bewusst auf Ausgefallenes verzichten haben damit genau die richtige Entscheidung getroffen!

Ein Chevrolet Spark ist beileibe kein schlechtes Auto. Schon automatisch nicht. Denn wenn man auf so kleinem Raum fünf Personen mit etwas Gepäck unterbringen muss, dann muss man sich die Machart der Karosse schon gescheit überlegen. Und da sowas nicht allzuviel kosten darf, fehlt auch schwerer Luxus. Das macht es leicht. Leichtsein bringt auch mit wenig Kraft Agilität. Und weil es ja günstig gebaut ist, regt sich auch niemand über billige Kunststoffe, oder eher uncooles Design auf. Und weil einfache Technik für so einfache Autos auch reicht, kann man wenn man will sogar puristischen Fahrspaß haben. Ziel erreicht! Eine super-Sache.

Der Eispanzer bricht. Am Chevy Spark

Der Eispanzer bricht. Am Chevy Spark

Dann gibt es aber überall, vor Baumärkten, vor Möbelhäusern, vor Discountern und gelegentlich auch auf dem Parkplatz der Nordschleife diese Randgruppen der alternativen Mittelklassefahrzeuge. Koreanische Mittelklassealternativen oder Dinge, die von Peugeot gebaut wurden. (Sachen, die also wirklich nur mittelmäßig-klasse sind… ha ha)

Ich bleibe beim Bezug auf meine „Parkplatzpraxis“. Warum sollte ich mich als Passatkunde auf eine Alternative à la Hyundai i40 einlassen, wenn doch einträchtig alle Meistbenutzer der Fahrzeugklasse (Außendienstler z.B.) lieber Insgnia, Passat oder auch Octavia wählen. Wem das zu langweilig ist, findet bei Alfa, oder Herstellern japanischer Allradlimousinen aufregende Alternativen. Warum Korea!? Etablierte Modelle können faktisch alles besser. Oberflächen sehen auch nach Jahren noch gut aus, man hat gescheite Lichtschalter und muss zum Tanken nicht zwingend an einem Hebelchen ziehen, woraufhin dudelige Warntöne erklingen. Es ist doch alles so viel schöner in richtigen Autos.

Schlimmer noch sind die Jungspunde die in einem Kia Cee’#+d beim Tuningstammtisch oder gar an der Nordschleife auftauchen. Selbst wenn man noch kein anderes Auto gefahren ist, kann man sich doch auf die 95% der Weltbevölkerung verlassen, die wissen, dass die koreanische Alternative im Grunde Käse ist. Spätestens wenn man merkt, dass sich der Schaltknauf verdrehen lässt, ist es doch zeit zu überlegen, ob ein schlichter Golf doch die bessere Wahl gewesen wäre. Warum? Nur um anders zu sein oder wie? Sagt ihr es mir…

Like this Article? Share it!

About The Author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *